Kabinett behandelt Sechsten Altenbericht zum Thema "Altersbilder in der Gesellschaft"

Bundesfamilienministerin Schröder: "Wir müssen die Potenziale des Alters stärker nutzen"
(lifePR) (Berlin, ) Das Bundeskabinett hat heute (Mittwoch) den von einer unabhängigen Sachverständigenkommission erstellten Sechsten Altenbericht "Altersbilder in der Gesellschaft" zur Kenntnis genommen und die dazu unter Federführung der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder, erarbeitete Stellungnahme der Bundesregierung beschlossen. Der Sechste Altenbericht macht deutlich, dass die dominierenden Altersbilder in den zentralen Bereichen der Gesellschaft - etwa in der Arbeitswelt, der Bildung, der Wirtschaft, der Politik, beim Zivilengagement oder in der medizinischen und pflegerischen Versorgung - der Vielfalt des Alters häufig nicht gerecht werden. Das gegenwärtig vorherrschende Altersbild ist immer noch von Krankheit und Defiziten geprägt. Die klare Botschaft des Berichts lautet dagegen: Die sogenannten jungen Alten können sich mit ihren Potenzialen weitaus stärker als bisher in die Gesellschaft einbringen - und sie wollen dies auch. Zugleich müssen die Grenzen des Alters im Blick behalten und Hilfe und Unterstützung dort angeboten werden, wo es notwendig ist.

"Der Sechste Altenbericht führt uns deutlich vor Augen: Kein Lebensabschnitt ist so vielfältig wie das Alter.", sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder bei der Vorstellung des Berichts. "Wir müssen ein realistisches und differenziertes Bild vom Alter zeichnen. Oft wird übersehen, dass wir in der Phase zwischen 65 und 85 einen historisch neuen Lebensabschnitt geschenkt bekommen haben. Die meisten Menschen erleben diesen Abschnitt nicht in Krankheit und Gebrechlichkeit, sondern aktiv und gesund. Diese Potenziale des Alters müssen wir stärker nutzen."

Diese wesentlichen Ergebnisse des Berichts auf einen Blick:

Arbeitswelt: Ältere Beschäftigte sind nicht weniger, sondern anders leistungsfähig als jüngere. In der Arbeitswelt noch immer präsente, negative Altersbilder stammen aus einer Zeit, in der ältere Beschäftigte möglichst früh aus dem Arbeitsleben ausgegliedert wurden. Inzwischen gibt es hingegen genügend Erkenntnisse zur Arbeitsfähigkeit und den Potenzialen älterer Beschäftigter. So nehmen etwa Erfahrung, Wissen, sprachliche Kompetenz und Urteilsvermögen mit dem Alter zu. Als geeignete Maßnahme zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit werden beispielsweise "altersgemischte Teams" oder eine altersgerechte Arbeitsorganisation genannt. Unternehmen schätzen vor allem Tugenden wie Loyalität, Erfahrung, Verantwortungsbewusstsein und Sozialkompetenz bei älteren Beschäftigten. 70 Prozent der Unternehmen widersprechen der Aussage, dass sich Weiterbildung von Älteren nicht lohne.

Bürgerschaftliches Engagement: Es bietet Spielraum für neue Altersbilder, bei denen stärker als zuvor das Miteinander von Jung und Alt im Vordergrund steht.

Konsum und Marketing: Auf der Produzentenseite werden der Produkt- und Handelsgestaltung häufig noch Altersbilder zugrunde gelegt, die den tatsächlichen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Konsumwünschen älterer Menschen nicht entsprechen. Eine Orientierung an falschen oder unvollständigen Vorstellungen hat zur Folge, dass Bedürfnisse älterer Konsumenten verfehlt werden. Aus wirtschaftlicher Sicht weist dies auf bislang ungenutzte Potenziale in der Käufergruppe der älteren Menschen hin. Medien: Sie sind eine entscheidende Größe für die Ausprägung von Altersbildern. Der 6. Altenbericht verdeutlicht, dass etwa über die Auswahl bestimmter Aspekte des Alters und des Älterwerdens und durch das Ausblenden anderer Aspekte eine "alternative Realität" dargestellt wird, die der tatsächlichen Vielfalt des Alters nicht entspricht, die jedoch auf die gesellschaftliche Wirklichkeit und deren Wahrnehmung entscheidend einwirkt.

Pflege und Gesundheit: Differenzierte Altersbilder sind gerade in der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung, der Rehabilitation wie der Palliativversorgung wichtig. Prävention und Gesundheitsförderung im Alter sollten gestärkt werden mit dem Ziel, einen Mentalitätswechsel bei älteren Menschen zu fördern, der zu einer gesundheitsförderlichen Lebensweise beiträgt. Gerade der weit verbreitete Wunsch nach Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen rückt dabei immer stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein - und damit auch die Bedeutung der sogenannten jungen Alten für die Pflegebedürftigen und die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Die veränderte Wahrnehmung der Bedeutung von Pflege kann laut Bericht zu differenzierteren Bildern der Pflegenden und der Pflegebedürftigen beitragen.

Bundesfamilienministerin Schröder: "Mit der Familienpflegezeit möchte ich den Berufstätigen helfen, Zeit für die Pflege ihrer Angehörigen zu haben, ohne dabei den Beruf aufgeben zu müssen. Zudem wissen wir inzwischen, dass Menschen bis ins hohe Alter lernfähig sind. Deshalb brauchen wir Angebote, die auf ihren privaten wie beruflichen Bedarf abzielen. Ein wichtiger Schritt wäre bereits, wenn Qualifizierungsmaßnahmen in den Unternehmen in gleicher Weise für die ältere wie für die mittlere und junge Generation angeboten würden. Und wir wissen: Gerade ältere Menschen wollen sich engagieren. Deshalb müssen wir ihnen dazu auch den nötigen Spielraum geben. Mit dem neuen Bundesfreiwilligendienst möchte ich es deshalb künftig auch über 60-Jährigen ermöglichen, einen Dienst im sozialen oder kulturellen Bereich zu leisten."

Bundesfamilienministerin Schröder kündigte zudem an, am 1. Dezember diesen Jahres das Programm "Alter neu denken" zu starten, um Jung und Alt zu einer breiten öffentlichen Debatte zu den Ergebnissen des Altenberichts einzuladen.

Mit vielfältigen Maßnahmen - darunter Tagungen mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Akteuren, mit kommunalen Bürgerforen, mit einem Foto- und Videoclip-Wettbewerb - soll die Öffentlichkeit sensibilisiert und auf neue Bilder vom Alter neugierig gemacht werden.

Die Bundesregierung hatte im Juli 2007 die Sachverständigenkommission damit beauftragt, die Altersbilder in den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu untersuchen und aufzuzeigen, wie sie sich auf die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen und kulturellen Leben auswirken. Die Altenberichte werden der Bundesregierung in jeder Legislaturperiode vorgelegt.

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