Hans-Werner Sinn: "Euro-Schuldenkrise nicht bedrohlich für Deutschland"

Präsident des ifo-Instituts (München) im Interview der Deutschen Welle
(lifePR) (Bonn, ) Auf die Frage, wie bedrohlich die europäische Schuldenkrise für Deutschland ist, sagte Hans-Werner Sinn:

"Die Schuldenkrise ist gar nicht bedrohlich. Das ist eine Selbstkorrektur der Märkte. Es ist natürlich ein Problem in Griechenland und Portugal. Irland, glaube ich, ist gar nicht so ein Problem. Die können sich selber helfen, die haben ein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, das liegt 20 Prozent höher als das deutsche. Die Iren könnten zum Beispiel die deutschen Steuern einführen und hätten ihre Probleme finanziell innerhalb weniger Jahre gelöst. Die Krise bedeutet, dass nicht mehr so viel Finanzkapital aus Deutschland heraus auch auf dem Wege über diese irischen Zweckgesellschaften der deutschen Banken in die weite Welt geschickt wird, sondern dass mehr Geld zu Hause bleibt und hier investiert wird. Das ist im Prinzip ein nützlicher Trendwechsel für Deutschland."

Zum EU-Rettungsschirm:

"Der alte Rettungsschirm ist falsch konstruiert. Ich bin für eine Rettung und für einen Rettungsschirm, um nicht missverstanden zu werden. Aber der Fehler ist, dass wir hier eine Vollkaskoversicherung gegen Zahlungsunfähigkeit kreiert haben. Zum Glück ist der Schirm auf drei Jahre begrenzt. Aber wir brauchen eine Anschlussregelung, die besser funktioniert; insbesondere ein Rettungssystem, das die Banken beteiligt. Denn nur wenn die Banken beteiligt werden an der Zahlungskrise eines Landes, indem sie auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, werden sie in Zukunft vorsichtiger sein bei der Kreditvergabe."

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Steffen Heinze
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