Dermatologe am LMU-Klinikum entdeckt Mechanismus für Psoriasis

Die Eiweiße Koebnerisin und Psoriasin machen die Haut für Schuppenflechte anfällig
PD Dr. Ronald Wolf (lifePR) (München, ) Die Krankheit sei "ein Fluch", sagte der US-Schriftsteller John Updike und spricht vielen seiner Leidensgenossen mit Schuppenflechte (Psoriasis) aus dem Herzen. Bei entsprechender genetischer Veranlagung bilden sich auf der Haut entzündliche schuppige Beläge. Sie schimmern silbern wie zerknitterte Alufolie und jucken und spannen. Einmal ausgebrochen, kommt die Plage in Schüben immer wieder, "ausgelöst durch mechanische Reizung, Infektionen oder auch Medikamente", weiß Privat-Dozent Dr. Ronald Wolf von der Klinik für Dermatologie und Allergologie des Klinikums der Universität München. Zusammen mit amerikanischen Kollegen und Ärzten des Universitätsklinikums München und Dresden hat der Hautarzt jetzt einen offenbar entscheidenden Krankheitsmechanismus entdeckt, der die genetische Veranlagung zur Psoriasis erklärt und auch den Krankheitsausbruch durch äußere mechanische Einflüsse, das so genannte Köbner-Phänomen. "Wir rechnen damit, dass unsere Ergebnisse zu neuen Therapien führen - sowohl gegen die Schuppenflechte selbst als auch gegen die Neigung zur Erkrankung", sagt Dr. Wolf. Für die zwei Millionen Patienten allein in Deutschland wäre das ein Segen.

Die Wissenschaftler nahmen molekulare Signalwege der Psoriasis unter die Lupe. Derlei Signalwege regulieren Stoffwechselvorgänge zwischen verschiedenen Zellen und Geweben, insbesondere zwischen Haut und Immunsystem. Sie spielen bei der Krankheitsneigung eine entscheidende Rolle. Daran beteiligt sind bestimmte Eiweiße, die bei der Erkrankung durch entsprechende Schuppenflechte-Gene verstärkt hergestellt werden. Eines der Eiweiße, das Koebnerisin (S100A15), hat Dr. Wolf entdeckt. Ein zweites, nahe verwandtes Eiweiß, das so genannte Psoriasin, war durch voran gegangene Analysen der Haut von Psoriasis-Patienten bereits bekannt. Beide Eiweiße machen die Haut für Schuppenflechte anfällig. "Die zur Psoriasis-neigende Haut, so Dr. Wolf, stellt die zwei Proteine in deutlich erhöhten Mengen her".

Bei Mäusen sind die Funktionen der beiden menschlichen Proteine in einem einzigen Eiweiß gebündelt, das die Wissenschaftler S100a7a15 nennen. Nun hat das Ärzte-Team um Dr. Wolf die Nager genetisch so verändert, dass sie davon bereits von Geburt an größere Mengen in der Haut produzieren. Wie sich zeigte, macht sie das extrem empfänglich für die Ausbildung von Symptomen, die der menschlichen Schuppenflechte entsprechen. Sobald ihre Haut, etwa durch eine Abschürfung, gereizt wird, startet eine überschießende Entzündung - wie beim Menschen. Dabei bindet das S100a7a15-Protein an ein RAGE genanntes Molekül auf der Oberfläche bestimmter Immunzellen und Hautzellen. Infolgedessen wandern weitere Immunzellen in die Haut ein, und auch für die Psoriasis typische Entzündungs-Botenstoffe sind in erhöhten Konzentrationen messbar. "Die S100-Proteine Psoriasin und Koebnerisin", sagt Ronald Wolf, "sind unseren Ergebnissen zufolge zusammen mit RAGE wichtige Regulatoren der Krankheitsentstehung."

Langfristig gesehen wollen die Forscher Substanzen finden, die gezielt die beiden S100-Proteine oder deren Kopplung an RAGE blockieren. Eine Hoffnung, "auf diese Weise Psoriasis-Herde zu verhindern beziehungsweise einen bereits bestehenden Krankheitsschub zu behandeln", wie der Münchener Dermatologe erklärt.

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Lindwurmstraße 2a
D-80337 München
Tatjana Catsch
Philipp Kressirer
Klinikum der Universität München
Leitung Kommunikation und Medien
PD Dr. Ronald Wolf
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergo

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