Parken unter preisgekrönten Dächern

Die neue Unilever-Hauptverwaltung verbindet mit dem Marco-Polo-Tower eine Tiefgarage, die im Grundwasser der Elbe steht
Hamburgs Wahrzeichen: Die Elbphilharmonie, der Marco-Polo-Tower und die Unilever-Deutschland-Zentrale in der neuen HafenCity zählen neben Sankt Michaelis zu den bekanntesten und markantesten Bauwerken der Hansestadt (lifePR) (Ober-Ramstadt, ) Das Gebäudeensemble ist inzwischen weltbekannt und vielfach preisgekrönt: Die neue Unilever-Hauptverwaltung für die deutschsprachigen Länder und der benachbarte Marco-Polo-Tower zählten schon vor ihrer offiziellen Fertigstellung im Mai 2009 zu den markantesten Neubauten Hamburgs. Oberirdisch fallen beide Meisterwerke, die das Stuttgarter Büro von Behnisch Architekten entworfen und die HOCHTIEF Projektentwicklung GmbH als Bauherr errichtet hat, durch ihre futuristische Silhouette auf: Rechte Winkel und Parallelen sucht das Auge des Betrachters hier wie dort vergebens. Zum eigenständigen Charakter beider Solitäre passt die exponierte Lage am Ufer der Norderelbe. Sogar unterhalb des Wasserspiegels hat die noble Adresse am Strandkai in der neuen HafenCity Außergewöhnliches zu bieten: Das Fundament des öffentlichen Parkhauses, das auch den Unilever-Beschäftigten und den Bewohnern des 16-geschossigen Marco-Polo-Towers zur Verfügung steht, gründet direkt im Grundwasser der Elbe. Die Betonkonstruktion und ihre Disbon-Beschichtung weisen daher einige Besonderheiten auf, die es ermöglichen, den statischen Erfordernissen wie auch dem nassen Element auf Dauer zu entsprechen.

"Die Bodenplatte wurde wasserdicht als 'Weiße Wanne' ausgebildet, da die Tiefgarage in zweiter Ebene unter Elbniveau liegt", erläutert Dipl.-Ing. Architekt Frank Angrick, der die Errichtung beider HOCHTIEF-Gebäude projektverantwortlich geleitet hat. Eine solche "Weiße Wanne" kann zwar als dicht gegen drückendes Grundwasser angesehen werden, jedoch ist der Beton natürlich diffusionsoffen. Das bedeutet, dass Wasserdampf einen Weg durch den Werkstoff hindurch finden kann und dann auf die Beschichtung der Oberfläche einwirkt. Als alleinige Schutzmaßnahme vor drückendem Grundwasser hätte die Ausbildung einer "Weißen Wanne" daher nicht genügt.

Weiße Wanne plus Disbon

Um besonderen bauphysikalischen Anforderungen wie am Strandkai gerecht zu werden, empfehlen die Hersteller und Anbieter von Beschichtungssystemen unterschiedliche Produkte sowie voneinander abweichende Verfahren. Bei der Planung der Oberflächenbeschichtung in der Unilever-Tiefgarage war zu berücksichtigen, dass die Bauleitung einerseits eine kurze Bauzeit anstrebte, um den nachfolgenden Gewerken die erforderliche Zeit für eine qualitativ hochwertige Ausführung zu belassen, andererseits aber eine robuste, langlebige, sichere und zugleich kostengünstige Lösung für die Tiefgarage wünschte.

OS 8-Beschichtung

Diesem komplexen Anforderungsprofil entsprach der Vorschlag des Verarbeiters, die Bodenplatte mit einer starren OS 8-Beschichtung entsprechend der Richtlinie Schutz und Instandsetzung des deutschen Ausschusses für Stahlbeton auszustatten: "Das von mir favorisierte und von der Bauleitung gewählte Beschichtungssystem der Marke Disbon zeichnet sich unter anderem durch ein geprüftes Epoxidharz aus, dessen Einsatz zuverlässig vor rückwärtiger Durchfeuchtung schützt", erläutert Maler- und Lackierermeister Nils Möller, Geschäftsführer des ausführenden Malereibetriebs Thomas Möller GmbH aus Reinbek. Das 1902 gegründete Familienunternehmen, dem Nils Möller in vierter Generation vorsteht, hat sich auf Objektbauten aller Größenordnungen spezialisiert. Bei dem mittelständischen Handwerksbetrieb stehen heute 60 Mitarbeiter in Lohn und Brot, darunter drei Meister und zwei Auszubildende. Mit den Beschichtungsarbeiten in der Unilever-Tiefgarage hatten acht Gesellen insgesamt zweieinhalb Monate zu tun. Dabei ließ sich das Disbon-System wie erwartet rasch und problemlos aufbringen, was der Forderung nach Wirtschaftlichkeit und Zweckdienlichkeit vollauf entsprach. Nur zwei Arbeitsgänge waren zum Grundieren und Absanden sowie für die Kopfversiegelung der Fundamentplatte mit den zugehörigen Systemprodukten nötig. Auch auf den Rampen wurde auf Empfehlung des Verarbeiters eine qualitativ hochwertige Disbon-Beschichtung eingesetzt, und zwar als verstärktes OS 8-System mit etwas gröberer Abstreuung. Insgesamt wurde die Bodenplatte mit 5,5 Tonnen Disboxid 920 PHS Grund und 5,5 Tonnen Disboxid 464 EP-Siegel beschichtet.

OS 11 b-System

Auch die Zwischendecke der Tiefgarage wurde mit Disbon-Systemprodukten vor Bewitterung und Verschleiß geschützt. Der Statiker hatte die Deckenkonstruktion aus Stahlbeton mit einer Rissweitenbegrenzung auf 0,2 mm gerechnet. Das machte den Einsatz eines OS 11b-Systems erforderlich, um der maßgeblichen Schutz- und Instandsetzungsrichtlinie des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (DAfStb) zu genügen. "Das gewählte OS 11b-System erfüllt die Anforderungen der Rissüberbrückungsklasse IIT+V, was einer Rissbewegung unter Temperatur und Verkehrsbelastung von 0,2 mm und einer maximalen Rissweite von 0,3 mm entspricht", unterstreicht Disbon-Parkhaus-Experte Bernd Blohm, der den Bau der Unilever-Tiefgarage von A bis Z begleitet und Nils Möller, Geschäftsführer des Verarbeiterbetriebs Thomas Möller GmbH, in allen Projektphasen fachkundig beraten hat. Die Zwischendecke des Parkhauses wurde mit 2,7 Tonnen Disboxid 920 PHS Grund vorbehandelt. Darauf folgten 16,5 Tonnen Disboxid 921 PHS als Zwischenschicht sowie abschließend 5,5 Tonnen Disboxid 923 PHS Deckschicht N.

Die Tiefgarage wurde vom Malereibetrieb Thomas Möller ausschließlich mit Disbon-Bautenschutzprodukten ausgestattet und nach zweieinhalb Monaten Applikationszeit in einwandfreiem Zustand schlüsselfertig an den Bauherrn übergeben. "Die Abnahme der erbrachten Leistungen verlief völlig unproblematisch. Es gab keine Beanstandung. Wir sind mit der erbrachten Leistung der Firma Möller sehr zufrieden", bestätigt der verantwortliche Projektleiter Dipl.-Ing. Architekt Frank Angrick, der den HOCHTIEF-Auftrag nach einer öffentlichen Ausschreibung an den alteingesessenen Handwerksbetrieb aus Reinbek vergeben hatte.

Alles außer gewöhnlich

Zu den augenfälligen Besonderheiten im Inneren der Unilever Hauptverwaltung zählt unter anderem das Beleuchtungskonzept: "Es handelt sich hier um das weltweit erste Bürogebäude überhaupt, das komplett mit LED-Technik ausgestattet ist", hebt Angrick hervor. Äußerlich fällt vor allem die Membranfassade auf, die aus zahlreichen Trapezflächen besteht. Sie dient vollflächig dem Schutz des Gebäudes vor Sonneneinstrahlung und starkem Wind. Auch das Öffnen der Fenster - somit eine natürliche Belüftung - wird durch die Membranfassade ermöglicht. Ein speziell entwickelter SO2-Filter filtert das gesamte Schwefeldioxid aus der einströmenden Außenluft, was an diesem Standort unverzichtbar ist: Luxusdampfer wie die Aida, die Queen Mary II oder die Queen Elizabeth, die gleich nebenan am Kreuzfahrtterminal anlegen, sowie unzählige Elbbarkassen, Lotsenschiffe und nicht zuletzt die richtig dicken Pötte, die beispielsweise Kraftfahrzeuge am Überseekai vis-à-vis aufnehmen, machen diese ausgeklügelte Fassadenkonstruktion erforderlich, um saubere Raumluft zu garantieren.

Für diese und zahlreiche weitere technische Innovationen sowie für ihre auf Nachhaltigkeit bedachte Architektur wurde die Unilever-Hauptverwaltung unter anderem mit der >Gold-Umweltmedaille der HafenCity Hamburg< ausgezeichnet, auf dem World Architecture Festival 2009 als "Bestes Bürogebäude der Welt" gekürt sowie für seinen Beitrag zum städtebaulichen Umfeld mit dem BEX Award 2009 des World Green Building Council geehrt. Auch aus dem internationalen Wettbewerb des Royal Institute of British Architects ging die neue Unilever-Deutschland-Zentrale als Sieger hervor.

Hoch hinauf

Ebenso spektakulär - gleichfalls mit zahlreichen internationalen Architekturpreisen bedacht - ragt unmittelbar neben der Unilever-Hauptverwaltung der als Wohnturm konzipierte Marco-Polo-Tower in die Höhe. 55 Meter misst er vom Boden des Foyers bis zur Dachfläche, auf der eine stattliche Anzahl Solarmodule steht. Bauherren, Eigentümer und Vermieter sind die HOCHTIEF Projektentwicklungs-GmbH sowie das Hamburger Maklerunternehmen DC Residential (wobei "DC" Dahler & Company bedeutet). Auch für diesen Nobel-Wolkenkratzer zeichnen die Stuttgarter Behnisch Architekten verantwortlich. Mit den HOAI-Leistungsphasen 6 bis 9 wurde das Büro 360grad+architekten von HOCHTIEF beauftragt, das die Ausführung der Malerarbeiten im Gebäude durch die Thomas Möller GmbH überwachte.
58 Wohneinheiten finden in dem Wohnturm auf 16 Etagen Platz. 11.900 Quadratmeter Wohnfläche gilt es für den Makler zu vermitteln, wobei die Quadratmeterpreise zu den atemberaubendsten in ganz Hamburg zählen - was zumindest so lange gilt, wie die in Sichtweite gelegene Elbphilharmonie noch nicht bezugsbereit errichtet ist.

Jede der 65 bis 130 m² großen Wohnungen im Marco-Polo-Tower verfügt über einen völlig flexibel zu gestaltenden Grundriss, der sich von allen anderen unterscheidet; dieses in Deutschland erstmals angewandte Konzept nennt sich "Ready For Design".

Auffällig von außen ist vor allem die geschwungene Formgebung der umlaufenden Balkone, Loggien und Terrassen, was den Eindruck besonderer räumlicher Tiefe entstehen lässt und den Anforderungen optimierter Sichtbeziehungen in der neuen HafenCity Hamburg entspricht. "Aus den oberen Etagen genießt man einen unvergleichlichen Blick über den Hafen und die Stadt", weiß Malermeister Nils Möller über diese spektakuläre Arbeitsstätte zu berichten. Allein der Fernsehturm der Hansestadt, der am Rande Hamburgs grüner Lunge "Planten un Blomen" steht, bietet rundum eine vergleichbar freie Sicht.

Achim Zielke

Infokasten:

Der Hamburger Stadtteil HafenCity umfasst ein mit mehrgeschossigen Büro- und Wohngebäuden bebautes Areal, das am südlichen Rand der Innenstadt liegt und sich über 1,1 Kilometer Länge von der Elbphilharmonie (auf dem vormaligen Kaispeicher A) an der Spitze des Dalmannkais bis zum neuen "Spiegel"-Verlagshaus auf der Ericusspitze erstreckt. In seiner Breite reicht es von den roten Backsteinbauten der traditionsreichen Speicherstadt bis hinaus an den Elbstrom.

Bautafel

Drei auf einen Blick
Unilever-Hauptverwaltung

Innovativer Neubau in der HafenCity, Hamburg
Lage: am Strandkai direkt an der Norderelbe neben dem Kreuzfahrtterminal
Besonderes Merkmal: weltgrößte vertikale Membranfassade
Bauherr: HOCHTIEF Projektentwicklung GmbH, Hamburg
Entwurf: Behnisch Architekten, Stuttgart
Planungs- und Bauzeit: 12/2006 – 05/2009
Nutzung: überdachtes, öffentlich zugängliches Foyer mit Restaurants und Geschäften im EG; darüber sechs Obergeschosse mit Büros, Versuchsküchen, Konferenzräumen etc.
Bruttogeschossfläche (BGF): 39.450 qm, Bruttorauminhalt (BRI): 170.000 cbm, Grundstücksgröße: 7.800 qm
Investitionskosten: 110 Millionen EUR
Projektleitung (verantwortlich): Dipl.-Ing. Architekt Frank Angrick

Marco-Polo-Tower

Futuristischer Wohnturm in der HafenCity, Hamburg
Lage: am Strandkai in direkter Nachbarschaft zur Unilever-Hauptverwaltung
Besonderes Merkmal: dynamisch umlaufender Baukörper mit individuellen Grundrissen und unikativ geformten Terrassen, Loggien und Balkonen
Bauherr: HOCHTIEF Projektentwicklung GmbH, Hamburg und DC Residential, Hamburg Entwurf: Behnisch Architekten, Stuttgart
Ausführungsplanung/HOAI-Leistungsphasen 6 - 9: 360grad+architekten, Hamburg
Planungs- und Bauzeit: 12/2006 – 05/2010
Nutzung: im Eingangsbereich und 1. OG teils öffentlich zugängliche Bereiche,
ab 2. OG ausschließlich zu privaten Wohnzwecken
Bruttogeschossfläche (BGF): 11.900 qm
Bruttorauminhalt (BRI): 38.000 cbm oberirdisch

Unilever-Parkhaus_am_Strandkai

Öffentliche Tiefgarage mit reservierten Einstellplätzen für Unilever-Mitarbeiter und Bewohner des Marco-Polo-Towers auf zwei unter Flurniveau gelegenen Parkebenen
Lage: unterhalb des Marco-Polo-Towers und der Unilever-Hauptverwaltung
Besonderes Merkmal: Gründung im Grundwasser der Elbe
Entwurf: Behnisch Architekten, Stuttgart
Ausführungsplanung und Bauleitung: 360grad+architekten, Hamburg
und Genkel Architekten, Stuttgart
Planungs- und Bauzeit: 12/2006 – 05/2009
Bauherr: HOCHTIEF Projektentwicklung GmbH, Hamburg
Bautenschutz: Thomas Möller GmbH – Malereibetrieb, Reinbek bei Hamburg
Oberflächenschutzsysteme: DISBON – Ein Geschäftsbereich der Caparol Industrial Solutions GmbH (CIS), Ober-Ramstadt

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Caparol Farben Lacke Bautenschutz GmbH
Roßdörfer Str. 50
D-64372 Ober-Ramstadt
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