Anshu Jain und Peer Steinbrück wären "ein schlagkräftiges Duo"

Professor Wolfgang Gerke, Experte für Bank- und Börsenwesen am Bayerischen Finanzzentrum München, äußert sich im Interview der Deutschen Welle zur Deutschen Bank
(lifePR) (Bonn, ) DW: Aufsichtsratchef Clemens Börsig sagt, man habe keine Eile bei der Nachfolgesuche, einige Investoren dagegen sehen schon Vorstände beschädigt. Gibt es keinen geeigneten Kandidaten?

Gehrke: Es gibt eigentlich genug geeignete Persönlichkeiten und so schwierig kann das doch auch nicht sein. Aber es ist wichtig, dass die Entscheidung jetzt gefällt wird, denn der Nachfolger von Herrn Dr. Ackermann sollte ja auch in Langfriststrategien einbezogen werden und man möchte Stabilität haben. Da kann man die Investoren verstehen, die jetzt drücken.

Wer wäre denn Ihrer Meinung nach ein geeigneter Kandidat?

In der derzeitigen Situation meine ich, man sollte eine Doppelspitze wählen. Auf der einen Seite einen erfahrenen Investmentbanker, der auch das Geld verdient. Anshu Jain wäre hier bestens geeignet, aber er kann kein Deutsch. Und auf der andere Seite jemand, der politisch vernetzt ist. Da verstehe ich nicht, warum man dabei nicht gleich an einen guten Politiker denkt, der die Finanzmärkte kennt. Beispielsweise wäre Roland Koch eine geeignete Persönlichkeit, wenn er zur Verfügung stehen sollte; Peer Steinbrück würde ich für sehr geeignet halten, ja sogar empfehlen. Ich meine, das wäre ein schlagkräftiges Duo. Der Kernbanker aus dem Investmentbanking und der gut vernetzte Politiker, der die Finanzmärkte bestens kennt.

Vielleicht hat der Aufsichtsrat Ihre Vorschläge gehört, aber es gibt ja noch einige andere Baustellen. Denn die Deutsche Bank steht gleich in mehreren Ländern wegen ihrer Geschäftspraktiken vor Gericht. Warum diese Häufung?

Das ist sicherlich auch bedingt durch die Aggressivität des Geschäfts. Man hat im Bereich Zinsderivate Prozesse verloren, man steckt immer noch in dem langen Kirch-Prozess und dann versucht jetzt Amerika bei der Deutschen Bank Geld zu holen. Ich halte das für unfair. Man hat auf der einen Seite die Bank, wie andere Banken auch, mit ganz billigem Geld animiert, Häuser zu finanzieren - letzten Endes für Amerikaner, die die Kreditwürdigkeit nicht mitgebracht haben. Und heute wirft man das der Bank vor. Das ist ein durchsichtiges Spiel.

Abgesehen von den Justiz-Problemen: Die Bank macht viel Gewinn - aber ist sie für die Zukunft gut aufgestellt?

Die Bank ist einen interessanten Weg gegangen. Einerseits das rentable, aber auch hoch riskante Investmentbanking. Auf der anderen Seite das Geschäft mit der Privatkundschaft. Da dann auch die Postbank mit herangezogen. Also man hat selber das Unternehmen im Risiko diversifiziert. Eine Politik, die die Rendite ein bisschen senkt, aber auch das Risiko senkt - nicht schlecht für die Zukunft, wenn es gelingt, auf Führungsebene diese beiden doch sehr unterschiedlichen Geschäftsarten zusammenzuführen. Und so kann man eben die Produkte, die man selber erstellt, gut an die Kundschaft bringen.

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