Vier Fälle von EHEC sicher bestätigt

Das Städtische Klinikum Karlsruhe und das Gesundheitsamt informierten im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz zur aktuellen EHEC-Situation
(lifePR) (Karlsruhe, ) Stand heute bestätigt das Städtische Klinikum Karlsruhe vier Fälle von EHEC. Ein Fall wurde bereits am 26. Mai gemeldet bei zwei weiteren Fällen hat sich der bereits geäußerte Verdacht bestätigt. Ferner konnte auch in einem vierten Fall der Erreger in einer Stuhlprobe nachgewiesen werden.

In drei Fällen liegt ein so genanntes hämolytisch-urämisches Syndrom, kurz HUS, in Folge der EHEC Infektion vor. Alle drei Betroffenen sind weiblich und in einem Alter zwischen 58 und 72 Jahren. Ferner hielten sich zwei der Patientinnen vor oder während Krankheitsbeginn in Norddeutschland auf, die dritte Patientin hatte vor Krankheitsbeginn Kontakt zu möglicherweise Erkrankten aus Norddeutschland. Zwei müssen aufgrund ihres Gesundheitszustandes auf der nephrologischen Intensivstation behandelt werden. Nach Einschätzung von Prof. Martin Hausberg, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik I, sei der Gesundheitszustand einer Patientin sehr kritisch zu bewerten. Die dritte Patientin befindet sich gegenwärtig auf der Infektionsstation. Sie soll aus organisatorischen Gründen im Lauf des Tages auf die Intensivstation verlegt werden.

Beim vierten Fall handelt es sich um einen jungen Mann, der sich im Rahmen eines Segeltörns ebenfalls in Norddeutschland aufgehalten hat. Beim ihm konnte EHEC in einer Stuhlprobe nachgewiesen werden. Er befindet sich bei stabilem Gesundheitszustand auf der Infektionsstation und kann nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt zum Abend entlassen werden.

Dr. Ulrich Wagner, zuständig für den Gesundheitsschutz im Gesundheitsamt Karlsruhe, gab während der Pressekonferenz an, dass dem Gesundheitsamt bis dato neben den im Klinikum Karlsruhe aufgetretenen Fällen keine weiteren Fälle gemeldet wurden. In den anderen Kliniken der Stadt und des Landkreises seien bis dato keine meldepflichtigen Fälle aufgetreten. Aufgrund der aktuellen Sachlage gehe man daher davon aus, dass die primäre Infektquelle der EHEC-Infektion in Norddeutschland zu suchen und eine regionale Übertragung eher unwahrscheinlich sei. Ferner zeigte sich Wagner beruhigt, dass nach derzeitigem Stand keine weiteren Fälle hinzugekommen seien.

Nach Einschätzung von Oberarzt Eberhard Kniehl, dem Leiter der Mikrobiologischen Abteilung, sollte zwischen einer EHEC-Erkrankung und schweren Verlaufsformen mit Ausbildung eines meldepflichtigen enteropathischen hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) unterschieden werden. So könne eine EHEC-Infektion mitunter auch frei von Symptomen verlaufen. Ansonsten trete nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Tagen, vereinzelt aber auch bis zu acht Tagen, eine Magen-Darm-Grippe auf, die im weiteren Verlauf mitunter eine gefährliche und blutige Durchfallerkrankung auslösen könne. "Das sei aber nicht zwangsläufig bei allen Betroffenen der Fall", so Kniehl. Hierbei kann der EHEC-Erreger die Produktion des Giftes Verotoxin auslösen, wodurch Zellen der Darmwand und der Blutgefäßwände zerstört werden können, in dessen Folge es dann zu einer Störung bei der Blutbildung mit Ausbildung einer Blutarmut und einer Verringerung der Blutplättchen, kleinen Gefäßverschlüssen, Einschränkungen der Nierenfunktion sowie neurologischen Ausfällen kommen kann. Treten all diese Symptome im Kontext einer EHEC-Darminfektion auf, ist von einem meldepflichtigen enteropathischen hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) auszugehen. Zur Diagnosesicherung muss anhand von mikrobiologischen Untersuchungen die Ausscheidung von EHEC-Erregern nachgewiesen werden. Ferner wird untersucht, ob das Gift Verotoxin produziert wird. Hinzukommen bei Verdacht auf eine schwere Verlaufsform die klinische Untersuchung sowie umfangreiche Bluttests.

Für alle drei Patientinnen, die derzeit im Klinikum behandelt werden, konnte der Nachweis einer schweren Verlaufsform mit der Ausbildung eines hämolytisch-urämischen Syndroms erbracht werden. Zur Eliminierung des Giftstoffes Verotoxin, erhalten alle drei Frauen eine so genannte Plasmapheresebehandlung. "Hierbei handelt es sich um ein spezielles Dialyseverfahren, das die Schadstoffe eliminiert und das Blutplasma ersetzt, erklärt der Nierenspezialist Martin Hausberg.

"In der Notaufnahme des Klinikums gehen derzeit viele Anfragen besorgter Bürgerinnen und Bürger ein", beschreibt Harald Joachim Proske, der medizinische Leiter der Zentralen Notaufnahme, die Situation in der Notaufnahme. Ein direkter Ansturm an Patienten mit Durchfallerkrankungen sei aber nicht zu verzeichnen. Werden die Patienten direkt über Hausärzte oder Rettungsdienst vorangekündigt, können sie bei Verdacht prophylaktisch bis zum Ausschluss einer EHEC-Erkrankung direkt auf die Infektionsstation verlegt werden. Kommen die Patienten direkt in die Notaufnahme erfolgt eine rasche Einschätzung im Anmeldebereich, so dass die Betroffenen im Zweifelsfall direkt im Infektionsbereich der Notaufnahme behandelt und untersucht werden können. Die Mitarbeiter vor Ort sind entsprechend auf die Situation vorbereitet, so dass alle Patienten leitliniengerecht und unter Beachtung aller notwendigen Schutz- und Isolationsmaßnahmen behandelt werden können.

Abschließend erklärte Geschäftsführer Ulrich Meier, dass der speziell zu diesem Zweck eingerichtete Krisenstab über das Wochenende im Hintergrund durchgängig aktiv sei und die Medien mit regelmäßigen Informationen zum aktuellen Sachstand versorge. Medienvertreter können sich bei aktuellen Anfragen zu dem Thema primär an unsere Telefonzentrale wenden. Diese ist erreichbar über 0721 974-0.

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