Rente mit 67 ist keine Lösung

Zenker: Impuls-Papier der Bischöfe muss Auftakt zu ökumenischem Sozialwort sein
(lifePR) (Köln, ) Köln. "Chancengerechtigkeit, die lediglich die individuelle Freiheit und persönliche Eigenverantwortung des Einzelnen in den Mittelpunkt stellt, greift zu kurz!" Dies erklärt die Bundesvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands, Birgit Zenker, anlässlich der Veröffentlichung des Impulspapiers "Chancengerechte Gesellschaft" der Kommission VI der Deutschen Bischofskonferenz.

Für die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung bedarf es gesetzlicher und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen für eine verantwortungsvolle Freiheit. "Angesichts von drei Millionen Menschen in Deutschland, die keine Erwerbsarbeit finden, über eine Million Leiharbeiter, der Zunahme von prekären Beschäftigungsverhältnissen und Dumpinglöhnen in Deutschland geht es an der Realität vorbei, allein Erwerbsarbeit und wirtschaftliche Teilhabe zur Voraussetzung von gesellschaftlicher Integration zu deklarieren", betont Zenker. Die KAB geht von einem umfassenden Arbeitsbegriff aus und fordert in ihrem Modell einer Tätigkeitsgesellschaft eine Neubewertung der Arbeit. "Familien- und Erziehungsarbeit, Ehrenamtsarbeit sowie Gemeinwohl orientierte Arbeit müssen gleichberechtigt neben der Erwerbsarbeit stehen", fordert Zenker, die in einem Grundeinkommen die Voraussetzung für Freiheit und Arbeit für alle sieht.

Finanzkrise ist Folge eines falschen Freiheitsbegriffs

Ein umfassendes Leitbild für eine freiheitliche Ordnung müsse verstärkt die ungerechten Strukturen in Wirtschaft und Finanzwelt in den Blick nehmen. "Der neoliberale Freiheitsbegriff hat zur größten Finanzkrise geführt", sagt die Bundesvorsitzende. Sie betont, dass "Freiheit ohne Verantwortung und wirtschaftliche Freiheit ohne gesellschaftliche festgelegte Regeln Kapitalismus pur" sei.

Scharfe Kritik übte die KAB Deutschlands an den Ausführungen der Kommission zur Rente mit 67 und darüber. "Die einfache Stellschraube, durch eine längere Erwerbsarbeitszeit mehr Generationengerechtigkeit zu erreichen, greift zu kurz und schaffe neue Ungerechtigkeiten. Wer 45 Jahre im Erwerbsleben stehe, hat ein Recht auf menschenwürdige Alterssicherung", betont Zenker. Die KAB plädiert gemeinsam mit vier weiteren katholischen Sozialverbänden für eine solidarische Alterssicherung. "Wir müssen nicht die alten Menschen länger arbeiten lassen, damit sie sich mit 67 oder 69 Jahren einen Anspruch auf eine auskömmliche Rente verdienen. Wir eine Alterssicherung , die auf mehr Solidarität in der Gesellschaft setzt" so die KAB-Bundesvorsitzende. Die fünf großen katholischen Verbände fordern eine breitere Finanzierung der Alterssicherung durch die Einbeziehung aller Einkunftsarten und aller Einwohner ein. "Die Anhebung des Renteneintrittsalters ist eine Rentenkürzung für Millionen von älteren Arbeitnehmerinnen", betont Zenker.

Die Bundesvorsitzende fordert die Bischöfe auf, das Impulspapier als neuen Auftakt für eine Diskussion über eine sozial gerechte Gesellschaft zu nutzen. "Wir brauchen ein neuen Konsultationsprozess für ein gemeinsames Sozialwort der Kirchen, das auf die aktuellen Herausforderungen der Zeit klare Antworten und Perspektiven gibt".

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