Genderbericht Hessen 2011

Der Lohn macht den Unterschied
(lifePR) (Hessen, ) .
- Männer verdienen besser als Frauen

- Trotz Qualifikation bleiben Niedriglöhne Frauensache

- Teilzeit weiterhin in Frauenhand

Jahr für Jahr ähneln sich die Schlagzeilen: Frauen bekommen weniger Lohn als Männer.

Der neue Genderbericht, der auf einer Analyse der Regionalforschung Hessen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beruht, bringt es auf den Punkt: Der durchschnittliche Entgeltunterschied zwischen Männer und Frauen in Hessen bei-trägt derzeit rund 20,0 Prozent und hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre nur marginal verändert (- 0,3 Prozentpunkte).

Zwar haben Frauen im Verlauf der positiven ökonomischen Entwicklung des Jahres 2010 ihre Position auf dem hessischen Arbeitsmarkt behaupten und teilweise verbessern können: die Erwerbstätigkeit ist angestiegen, die Erwerbstätigenquoten von Frauen und Männern haben sich weiter angenähert und die Arbeitslosigkeit ist gesunken, dennoch stellt sich die Gesamtsituation der Frauen auf dem hessischen Arbeitsmarkt nicht in allen Aspekten zufriedenstellend dar.

Männer verdienen besser als Frauen

Frauen sind in den niedrigeren Gehaltsklassen systematisch über- und in den hohen Gehaltsklassen unterrepräsentiert. So verdient jede vierte Frau mit Arbeitsort in Hessen monatlich lediglich zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Der Anteil der Männer in dieser Gehaltsklasse beträgt hingegen nur 12,9 Prozent. In den höheren Gehaltsklassen ist die Situation genau umgekehrt. Besonders deutlich wird dies in der Gehaltsklasse mit einem monatlichen Einkommen von über 4.000 Euro. Während diese Gehaltsklasse lediglich 17,2 Prozent der Frauen erreichen, verdient etwa jeder dritte Mann mehr als 4.000 Euro im Monat.

Eine Situation, die sich nach Ansicht von Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, dringen ändern muss:

"Die Situation von Frauen am Arbeitsmarkt bleibt unbefriedigend. Solange die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männer noch so eklatant sind, besteht weiterhin erheblicher arbeitsmarktpolitischer Handlungsbedarf".

Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern, so die Studie, müssen als ein anhaltendes, strukturelles Phänomen begriffen werden müssen. Tradierte Rollenbilder, familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und eine eingeschränkte wenig karriereorientierte Berufswahl könnten dafür sorgen, dass Frauen spätestens im Rentenalter die Konsequenzen dafür in Kauf nehmen müssen. Im schlimmsten Fall droht Altersarmut.

Martin weiter: "Solange Frauen weiterhin in bestimmten Branchen und Berufen fehlen und die typischen Frauenberufe im Dienstleistungssektor oder sozialem Bereich schlechter bewertet beziehungsweise entlohnt werden, sind für die nächsten Jahren keine gravierenden Veränderungen zu erwarten. Das trifft nicht nur unsere sozialen Sicherungssysteme auch der Fachkräftebedarf lässt sich so nicht kompensieren. Es lohnt sich die tradierten Rollenbilder aufzubrechen und schon früh dafür die Weichen zu stellen: in den Elternhäusern, Kindergärten und Schulen".

Trotz Qualifikation bleiben Niedriglöhne Frauensache

Mit einem Mythos möchte die Studie aufräumen: Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung sind im Niedriglohnsektor nicht mehrheitlich gering Qualifizierte beschäftigt. Absolut betrachtet stellen gering Qualifizierte im Vergleich zu den formal gut qualifizierten Beschäftigten (abgeschlossene Berufsausbildung oder Hochschul- bzw. Fachhochschulabschluss) im Niedriglohnsektor die Minderheit dar. So haben von den rund 296.000 Personen im Niedriglohnsektor rund 135.500 eine abgeschlossene Ausbildung und etwa 7.300 einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss. Das sind 48,3 Prozent aller Niedriglohnbeschäftigten. Dagegen liegt der Anteil gering qualifizierter Arbeitnehmer ohne eine berufliche Ausbildung im Niedriglohnsektor in Hessen lediglich bei etwa 16 Prozent.

Nahezu jeder fünfte sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte war 2009 in Hessen im Niedriglohnsektor tätig und verdiente weniger als 1.870 Euro im Monat.

Das Risiko für Frauen zu einem Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle beschäftigt zu werden, ist dabei deutlich höher, denn inzwischen arbeitet fast jede dritte sozial-versicherungspflichtig vollzeitbeschäftigte Frau in Hessen im Niedriglohnsektor. Der Anteil von Frauen im Niedriglohnsektor ist in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen, innerhalb von zehn Jahren um 3,2 Prozentpunkte auf 29, 5 Prozent. Bei den Männern betrug der Anteil lediglich 12,7 Prozent.

Dennoch ist laut Bericht das Risiko eine Tätigkeit im Niedriglohnsektor auszuüben, umso geringer, je höher der Bildungs- bzw. Berufsabschluss ist. So üben 7,3 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Frauen und 1,6 Prozent der Männer mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss in Hessen eine Tätigkeit im Niedriglohnsektor aus. Damit ist der Anteil von Frauen in dieser Kategorie fünfmal so hoch, wie der von Männern. Demgegenüber sind 42,7 Prozent der Frauen und 25,1 Prozent der Männer ohne Berufsausbildung im Niedriglohnsektor vertreten.

Teilzeit weiterhin in Frauenhand

Wie bereits in den Jahren zuvor ist die Teilzeitquote von Frauen auch im aktuellen Berichtsjahr nochmals angestiegen. Sie hat sich seit dem Jahr 2000 um insgesamt 7,2 Prozentpunkte auf 36,6 Prozent erhöht. Über ein Drittel aller beschäftigten Frauen arbeiten damit in Teilzeit.

Die positive Entwicklung in der Frauenbeschäftigung ist folglich insbesondere auf Zuwächse im Teilzeitbereich zurückzuführen, denn zusätzliche Vollzeitbeschäftigungsverhältnisse sind für Frauen im aktuellen Berichtsjahr kaum entstanden.

"Dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Hessen in den letzten zehn Jahren leicht zugenommen hat, liegt ausschließlich an den Frauen, mit einem Zuwachs von mehr als 50.000. Bei den Männern ist die Beschäftigtenzahl unter den Wert des Jahres 2000 gesunken. Einen Wehrmutstropfen gibt es allerdings: Die Arbeitsplatzgewinne resultierten dabei vor allem aus der Zunahme der teilzeitbeschäftigten Frauen", bilanziert Frank Martin.

Hintergrundinformationen

Wie sich die Situation von Frauen und Männern auf dem hessischen Arbeitsmarkt in den letzten zehn Jahren entwickelt hat, zeigt ebenfalls die aktuelle Broschüre Frauen und Männer am Arbeits- und Ausbildungsmarkt der Regionaldirektion Hessen auf:

http://www.arbeitsagentur.de/....

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Angela Köth
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