Highlights der Saison 2011/12

Sol Gabetta, Iván Fischer, 3 Themen-Inseln, neue Reihen
(lifePR) (Berlin, ) Am 25. August beginnt die neue Spielzeit im Konzerthaus Berlin. Gleich beim Eröffnungskonzert wird die neue Artist in Residence, die argentinische Cellistin Sol Gabetta, zu erleben sein. Iván Fischer, der ab der Spielzeit 2012/13 Musikdirektor des Konzerthauses und Chefdirigent des Konzerthausorchesters Berlin sein wird, leitet im Oktober zweimal sein neues Orchester: zunächst beim ECHO Klassik am 2. Oktober, dann bei seinem »Überraschungskonzert« am 6. Oktober. »Ich werde das Programm erst vom Konzertpodium bekannt geben«, so Fischer. »Dieses Konzert widme ich all jenen, die gerne schön verpackte Geschenke bekommen und sich an Überraschungen erfreuen.«

Das Motto der Saison 2011/12 lautet »Open«. Intendant Prof. Dr. Sebastian Nordmann: »Wir wollen ein offenes Konzerthaus sein ohne große Hemmschwellen oder Zugangsbarrieren; offen für Programmvielfalt, neue Publikumsschichten, neue Formate und für Kooperationspartner.«

Artist in Residence: Sol Gabetta

Ihr Vorname ist Geschenk, Programm und Verpflichtung: Sol heißt »Sonne«. Mancher Musikfreund hat die 1981 im argentinischen Cordoba Geborene noch als Studentin von David Geringas an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Erinnerung. Zuvor hatte sie in Madrid und Basel (hier bei Iwan Monighetti) studiert. Nach mehreren 1. Preisen und Auszeichnungen bei internationalen Wettbewerben spielt sie inzwischen auf Konzertpodien weltweit und ist als Solistin wie als Kammermusikpartnerin gleichermaßen gefragt. In der Schweiz rief sie ein eigenes Kammermusikfestival ins Leben. Ihre CD-Einspielungen mit Cellokonzerten von Saint-Saëns und Elgar, Haydn oder Schostakowitsch stießen auf große Resonanz, zweimal bereits wurde sie mit dem ECHO Klassik-Preis ausgezeichnet.

Als Artist in Residence des Konzerthauses Berlin in der Konzertsaison 2011/12 wird Sol Gabetta viele Facetten ihres Könnens zeigen - mit Cellokonzerten von Saint-Saëns und Schostakowitsch (beide Male ist das Konzerthausorchester ihr Partner), in einem Rezital-Programm gemeinsam mit Mihaela Ursuleasa (Klavier) sowie in einer Kammermusik-Matinee des Konzerthausorchesters, in der die beiden Streichsextette von Johannes Brahms zur Aufführung kommen.

Konzerthausorchester Berlin, Gastdirigenten, Solisten

In der Spielzeit 2011/12 wird es insgesamt 74 Sinfoniekonzerte mit dem Konzerthausorchester Berlin in der heimischen Spielstätte geben, davon sechs mit dem designierten Chefdirigent Iván Fischer. Die Ensembles und Musiker des Konzerthausorchesters bestreiten 14 Kammermusikkonzerte. Außerdem beteiligen sie sich an 8 »Entdeckungsreisen in die Welt der Musik« innerhalb des Junior-Programms.

Das Konzerthausorchester Berlin begrüßt in der neuen Saison 32 Gastdirigenten bei seinen Abonnement-Konzerten, u.a. Dmitrij Kitajenko, Michael Gielen, Jiří Bělohlávek, Michael Sanderling, Yutaka Sado, Eliahu Inbal und Vladimir Fedoseyev. Namhafte Solisten werden das Programm bereichern, u.a. Thomas Zehetmair, Evelyn Glennie, Sabine Meyer, Lilya Zilberstein, Tabea Zimmermann, David Geringas, Daniel Hope und Christian Zacharias.

Insgesamt 24 Gastspielkonzerte führen das Konzerthausorchester Berlin u.a. nach Madrid, Frankfurt/Main und zu den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern sowie auf eine ausgedehnte Tour durch Großbritannien, die u.a. in London, Norwich, Perth, Belfast, Leeds und Sheffield Halt macht. Auch beim musikfest berlin wird es wieder zu Gast sein. Den sommerlichen Abstecher zum Kloster Chorin unternimmt das Orchester diesmal unter der Leitung von Gabriel Feltz.

Themen-Insel 1: Aus zweiter Hand

Er möge »Mozarts Geist aus Haydns Händen« empfangen, hatte einst Graf von Waldstein dem jungen Beethoven gewünscht, als sich dieser aus Bonn auf den Weg nach Wien machte. Natürlich dachte er da zuerst an die weitergebende, »lehrende« Hand und nicht an - wie in unserem Fall - das Aneignen, das »Handanlegen« an bereits Geschriebenes. Doch soll gerade die Nennung der Wiener-Klassik-Götter ein Hinweis sein, das Motto »Aus zweiter Hand« keinesfalls abwertend zu verstehen. Transkriptionen in der Musik: Fremdes (oder auch Eigenes) haben Komponisten schon immer in neue Kleider gesteckt. Mitunter bewog sie die Aussicht auf Verdienst und bessere Vermarktungsmöglichkeiten; manchmal galt es schlicht, den jeweiligen Aufführungsgegebenheiten Rechnung zu tragen.

Transkriptionen schlagen Brücken. Von Mozart bis Zender, von Liszt bis Emerson Lake & Palmer gilt das Wort Alfred Schnittkes: »Wir treten in einen Dialog mit der Vergangenheit ein (...), wir sind fähig, in verschiedenen Zeiten zu leben. (...) Meine Aufgabe ist es, nicht zu verscheuchen, was schon von selbst existiert.«

Themen-Insel 2: All'Ongarese

Klingende Bilder aus Ungarn und von Ungarn, Reisen und Träume - die bietet im Februar 2012 eine gute Woche lang »All'Ongarese«. Wie klingt Ungarn?

»Es sind übrigens echte Puszta- und Zigeunerkinder. Also nicht von mir gezeugt, sondern nur mit Milch und Brot großgezogen«, beschrieb Johannes Brahms seinem Verleger gegenüber die »Ungarischen Tänze«. Diesem Understatement zum Trotz fehlte es nicht an Plagiatsvorwürfen - der Popularität der Sprösslinge konnte freilich keine Diskussion über Vaterschaft und Alimente etwas anhaben. Ob nun »alla zingarese« oder »all'ongarese«, ob »alla ingharese« wie in Beethovens »Wut über den verlorenen Groschen« oder »à l'hongrois« wie in Schuberts vierhändigem Klavierdivertimento, ob als »Csárdásfürstin« oder »Zigeunerbaron« in der Operette - ungarischer Tonfall, wobei man diesen mit dem Klang der Zigeunerkapellen mehr oder weniger gleich setzte, war spätestens seit Haydn äußerst beliebt. Eine Wundertüte großer und kleiner Stücke, der wir auch visuell mit einem Augenzwinkern begegnen.

Aber auch die zeitgemäßen Untertöne sollen nicht zu kurz kommen. Am Beginn des 20. Jahrhunderts entsprach endlich dem politischen Unabhängigkeitsstreben eine ernsthafte ethnologische Suche: Unter der »volkstümlichen Kunstmusik« legten Béla Bartók und Zoltán Kodály Schicht für Schicht originale »Bauernmusik« frei. Noch später, als »Gegenwartskomponisten« dann schon, wurden etwa die beiden Györgys, Kurtág und Ligeti, international zu Begriffen.

Themen-Insel 3: zeitfenster 2012

Knapp ein Jahrzehnt nach der Gründung des Festivals für Alte Musik und einem Jahrzehnt Weiterentwicklung der internationalen Szene stellt sich die Frage, wie es weitergeht: Wird noch neues Repertoire entdeckt? Gibt es innovative Interpretationsansätze? Neue Aufführungsformen? Inzwischen ist eine vierte Generation von Musikern herangewachsen, die das heute selbstverständliche Wissen um die historische Aufführungspraxis mit großer Freiheit für eigenständige Interpretationen, aber auch für die Auslotung von Randbereichen zum Jazz oder zur traditionellen Musik nutzen. Stand vor 30 Jahren die historisch vermeintlich »richtige« Aufführung im Vordergrund, steht nun wieder die persönliche Interpretation, der individuelle Ansatz im Mittelpunkt. Welchen Sinn hat es auch, Musik des 16., 17. oder 18. Jahrhunderts in die bürgerlichen Konzerttempel des 19. Jahrhunderts auf Bühnen für Sinfonieorchester vor Hunderte von Zuhörern zu zerren? Musik, die entweder für kirchliche Zeremonien, die häusliche Andacht oder vielleicht fürs Divertissement als Hintergrundmusik für höfische Abendunterhaltungen mit Bridge und Billard gedacht war?

zeitfenster stellt sich diesen Fragen und garantiert gleichzeitig »State of the Art« - in der höchst-möglichen künstlerischen Qualität. Hochkarätige Konzerte im Konzerthaus und auch in der Philharmonie, mit Größen wie Jordi Savall, Richard Egarr und dem Freiburger Barockorchester, dazu der beliebte Kindertag, die Nacht der Entdeckungen als Ausblick in die Zukunft der Alten Musik und die Mozart-Matinee des Konzerthausorchesters sind nur einige Bestandteile von zeitfenster - VI. Biennale Alter Musik.

Neue Aboreihe: »Ein Abend mit ...«

Lieder faszinieren. Sie gehen zu Herzen. Hier liegt eine der Quellen des kulturellen Erbes - wir müssen nur den richtigen Weg zu ihr finden. Diesen Weg versucht »Ein Abend mit ...« auf erfrischende Weise neu zu beschreiten und zu vermitteln. Neben traditionellen Liederabenden werden moderierte Programme und Abende musikalisch-literarischen Zuschnitts geboten, von den Sängerinnen und Sängern mit persönlicher Handschrift zusammengestellt. Persönlich und geheimnisvoll: Das Programm und die weiteren Mitwirkenden werden vorher nicht verraten ...

Die vier Liederabende im Kleinen Saal, die mit freundlicher Unterstützung der Bertelsmann Stiftung realisiert werden, sollen als Aboreihe einerseits das Interesse am Liedgesang neu entfachen, andererseits auch den bedeutenden in Berlin lebenden Liedinterpreten in ihrer (Wahl-)Heimatstadt ein Podium geben. Mit Annette Dasch, Christine Schäfer und Thomas Quasthoff konnten Stars der Berliner Liedszene gewonnen werden. Auch Anna Prohaska, 27-jähriger Shooting-Star, wird mit ihrem Koloratursopran das Publikum verzaubern.

Neues Format: Espresso-Konzerte

Ein wirklich nicht alltägliches Konzerterlebnis: Da sind der im Kartenpreis enthaltene Kaffee oder Espresso und die Konzertzeit 14.00 Uhr nur die Sahnehäubchen des Angebots. Die Besucher sind eingeladen, das Konzerthaus bei den Veranstaltungen, die eine Programmlänge von ca. 45 Minuten haben werden, auf ganz neue Weise kennenzulernen. Sie entdecken neue Spielstätten wie den Beethoven-Saal oder das Säulenfoyer. Auch der Große und der Kleine Saal werden bespielt - aber eben nicht so, wie man sie sonst kennt ...

Musiker des Konzerthausorchesters bestreiten einige der jeweils am vierten Mittwoch jedes Monats stattfindenden Konzerte, daneben werden aber auch unsere »Akademisten« sowie hervorragende Nachwuchsmusiker die Gunst der Stunde nutzen. In welchem Saal das jeweilige Espresso-Konzert stattfinden soll, wird vorher nicht verraten, aber die Namen der Mitwirkenden werden in den Monatsplänen und zeitnah auch im Internet veröffentlicht.

ECHO Klassik 2011

Der ECHO Klassik gastiert nach elf Jahren erstmals wieder im Konzerthaus Berlin. Im Juli zeichnete eine elfköpfige Jury 58 Preisträger in 21 Kategorien aus. Zu den Preisträgern 2011 zählen u.a. Cecilia Bartoli, Murray Perahia, Thomas Hampson, Diana Damrau, Hille Perl und Lisa Batiashvili. Auch Sol Gabetta, Artist in Residence des Konzerthauses Berlin in der Saison 2011/12, konnte mit ihrer Einspielung von Edward Elgars Cellokonzert überzeugen. Die Argentinierin erhielt bereits 2007 und 2009 den ECHO Klassik als »beste Instrumentalistin«.

Die 18. Verleihung des Klassikpreises findet am 2. Oktober 2011 im Großen Saal statt und wird noch am selben Abend ab 22.00 Uhr im ZDF übertragen. Wie im vergangenen Jahr wird Thomas Gott-schalk die Gala moderieren. Begleitet werden die auftretenden Künstler vom Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung von Iván Fischer, der mit diesem Abend gleichzeitig seinen Einstand als kommender Chefdirigent des Konzerthausorchesters gibt. Zu den Gästen der Gala zählen neben den Preisträgern auch hochrangige Regierungsvertreter und Prominenz aus Wirtschaft, Kultur und Medien, die gemeinsam mit den Künstlern vor Ort die Erfolge und herausragenden Veröffentlichungen des vergangenen Musikjahres feiern.

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