Joseph Stiglitz: "In einem untätigen vereinten Europa wächst Deutschland nicht"

Wirtschaftsnobelpreisträger fordert im Interview der Deutschen Welle eine deutlichere Unterstützung des Euro durch die deutsche Politik
(lifePR) (Bonn, ) Der US-Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz äußerte sich im Interview der Deutschen Welle zur Euro-Krise. Ob der Euro überleben könne, sei davon abhängig, "welche Verantwortung die politischen Führer in Europa, besonders in Deutschland, bereit sind zu übernehmen". Da im Moment "eine deutliche Unterstützung durch die Regierungen fehlt", sei das Krisenmanagement der Europäischen Zentralbank "das einzig Mögliche, wenn der Euro überleben soll". Die politische Führung solle dem deutschen Volk erklären, "dass es keine große Wahl" gebe. Man müsse Geld in die Rettung des Euro investieren. Noch teurer wäre es, "wenn Europa auseinanderbricht".

"In einem untätigen vereinten Europa wächst Deutschland nicht. Dadurch werden die Probleme größer", sagte der Nobelpreisträger. "Wenn Deutschland es schaffen kann zu wachsen und eine Verpflichtung gegenüber dem Euro eingeht, kann ich mir vorstellen, dass die Menge an tatsächlicher Hilfe, die am Ende benötigt wird, relativ niedrig sein wird."

Im DW-Interview am Rande einer Tagung von Wirtschaftsnobelpreisträgern und jungen Ökonomen in Lindau am Bodensee kritisierte Joseph Stiglitz "die Standardmethoden, die von den Zentralbanken, von leitenden Wirtschaftsführern angewandt wurden" während der Krise. "Rezepte, uns aus der Krise zu ziehen" hätten gefehlt. Gerade deshalb müsse man gerade junge Banker und andere Wirtschaftsexperten dazu bringen, ihre besondere Verantwortung zu erkennen.

Trotz der Krise habe man das internationale Bankensystem nicht verändert. "Eins der Versäumnisse ist, dass wir keine Transparenz geschaffen haben", mahnte der US-Ökonom. "Wir erlauben den Banken weiterhin, ihre übertriebenen Risiken einzugehen."

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Bettina Thoma-Schade
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