Holocaust-Überlebende gedenken „Mai-Deportation“

(lifePR) (Heidelberg, ) Vor 73 Jahren wurden erstmals deutsche Sinti- und Roma-Familien in das besetzte Polen deportiert. Die sogenannte Mai-Deportation wurde zum Modell einer bürokratisch organisierten, menschenverachtenden Prozedur. Zugleich war sie die Generalprobe zum Völkermord an dieser Minderheit. Heute gedenkt das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma mit einer Delegation von Holocaust-Überlebenden dieser Zäsur in der Verfolgungsgeschichte unserer Minderheit am Gedenkstein im Bahnhof Asperg. Die Festung Hohenasperg bei Ludwigsburg diente vom 16. Mai 1940, an dem die Festnahmen begannen, bis zum 22. Mai, an dem die Züge nach Auschwitz in Bewegung gesetzt wurden, als Sammellager.

Die Deportation von etwa 2.500 Sinti und Roma ins besetzte Polen im Mai 1940 bildet einen Einschnitt in der Verfolgungsgeschichte im Nationalsozialismus, der sich tief in das kollektive Gedächtnis unserer Minderheit eingegraben hat. Zusammen mit der Deportation von ca. 1.000 Juden aus dem Raum Stettin im Februar 1940 handelt es sich bei der Deportation der Sinti und Roma im Mai um die erste Zwangsverschleppung von deutschem Boden aus in das "Generalgouvernement". Und zum ersten Mal wurden ganze Familien deportiert: Kinder ebenso wie alte Menschen.

Vorbereitung und Ablauf der "Mai-Deportation" wurden von den beteiligten Beamten akribisch schriftlich und sogar fotografisch festgehalten. Diese Quellen ermöglichen eine genaue Rekonstruktion der damaligen Ereignisse. Darüber hinaus geben sie Aufschluss über das Handeln und die Motive der für dieses Verbrechen Verantwortlichen: von der Berliner Zentrale bis zu den ausführenden Stellen vor Ort. Die Deportation der Sinti- und Roma-Familien im Mai 1940 wird in den Täterdokumenten als eine bürokratische, arbeitsteilig organisierte Prozedur erkennbar, eine Art Modell für die späteren Massendeportationen in die Vernichtungsstätten im besetzten Polen. Es war der Auftakt eines Prozesses der Entmenschlichung, der wenige Jahre später in den Gaskammern von Auschwitz seinen furchtbaren Höhepunkt erreichen sollte.

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Armin Ulm
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