Das erste Spital der Schweiz stand in Vindonissa

Wie vor 2000 Jahren Heilkunde praktiziert wurde, ist im authentisch nachgebauten Militärlazarett erlebbar
Krankengeschichten beim Bett (lifePR) (Windisch, ) Das erste Spital der Schweiz stand vor rund 2000 Jahren in Vindonissa. Das monumentale Gebäude bot in 60 Krankenzimmern Platz für 300 Soldaten. Hier wurden Kampfverletzungen nach Schlachten, Alltagskrankheiten und Arbeitsunfälle behandelt. Mit dem Valetudinarium (Spital) haben die Römer auch den ersten Sanitätsdienst der Weltgeschichte erfunden. Im authentisch rekonstruierten Feldlazarett kann nun sinnlich vermittelt werden, wie die römischen Ärzte operiert, geschröpft und geheilt haben.

Das Lazarett wird am Samstag 15. Juni um 18 Uhr mit einer Feier eröffnet.
Wer in die 10. Station des Legionärspfads, das Feldlazarett tritt, taucht in die Welt der antiken Medizin ein. Im ersten Zelt riecht es nach Weihrauch, frische Kräuter stehen im Regal, ein Behandlungstisch und chirurgische Instrumente stehen bereit für einen Eingriff. Im zweiten Zelt gleich nebenan stehen drei Liegen. Vor den Betten hängen Täfelchen mit den Krankengeschichten der Patienten. Man kann sich den Medicus vorstellen, der hier auf engstem Raum seine Patienten nach allen Regeln der Kunst behandelt hat. Und das Niveau der Heilkunst war gemessen an heutigen Massstäben hoch. Die Medizin verfolgte einen ganzheitlichen Ansatz und umfasste die Sparten Ernährungslehre, Pharmazie und ärztliche Behandlungen wie Chirurgie.

Das Lazarett, ein Spital für unterwegs

Das ehemalige römische Spital des Legionslagers wurde in den 1930-er Jahren ausgegraben und stand mitten im Legionslager, wo heute die Krankenstationen der Klinik Königsfelden liegen. Bei den archäologischen Ausgrabungen in Vindonissa stiess man auch auf zahlreiche chirurgische Instrumente und medizinische Geräte. Mit Hilfe all dieser Fundstücke und dem charakteristischen Grundriss des Baus, konnte ein umfassendes Bild der damals praktizierten Heilkunde rekonstruiert werden. Ein Nachbau des ehemaligen Spitals mit 60 Krankenzimmern war nicht möglich. Doch die römische Armee war oft für die Verteidigung des römischen Reiches unterwegs. Deshalb organisierte sie einen Sanitätsdienst, der die medizinische Versorgung der Soldaten während der Feldzüge gewährleistete. Das mit Hilfe von antiken Schriftquellen rekonstruierte Feldlazarett im Legionärspfad Vindonissa vermittelt auf anschauliche Weise, wie ein solches "Feldspital" ausgesehen hat.

Krankengeschichten, die unter die Haut gehen

Wie gross das medizinische Wissen und wie umfassend die Behandlungsmethoden der römischen Ärzte waren, erfahren Besucherinnen und Besucher anhand von drei exemplarisch ausgewählten Krankheitsfällen im Krankenzelt des Lazaretts. So erzählt der "Patient" auf Liege zwei eindrücklich von seinem Augenleiden. Man fühlt mit, wenn er von den Schmerzen im Auge, der Erblindung auf einem Auge und von seiner Angst vor kompletter Dunkelheit berichtet. Er schildert wie der Arzt Hymnus ihm das verdickte und raue Augenlid an der Innenseite mit einem Feigenblatt ausschabte und das Auge mit einer Salbe aus Safranextrakt behandelte. Gleichzeitig wurde eine Diät mit scharfen und verdünnenden Speisen, sowie regelmässiges Gurgeln mit Linsen- und Feigenschleim verschrieben. Zur ganzheitlichen Behandlung gehörten auch körperliche Übungen und das Baden in den Thermen. Die Krankheitstheorie in der griechischen und römischen Antike basierte auf der Viersäfte-Lehre. Die Ursache einer Krankheit lag nach Auffassung von Hippokrates und seiner römischen Nachfolgern im Ungleichgewicht der vier Körpersäfte Schleim, Blut, gelbe Galle und schwarze Galle. Um das Gleichgewicht und damit die Gesundheit wieder herzustellen, wandten die Ärzte verschiedene Ausleitverfahren an. Zum Beispiel den Aderlass, das Auflegen von hautreizenden Pflastern, die Anwendung von Abführ- und Brechmitteln bis zum weit verbreiteten Schröpfen. Einige dieser Heilmethoden werden bis heute mit Erfolg in der alternativen Medizin angewendet.

Detektive gesucht für einen historischen Mordfall im Legionslager

Mit der Eröffnung des rekonstruierten Lazaretts stehen ab 16. Juni neue Vermittlungsangebote auf dem Programm. Die neue Spiel-Tour für Familien und Schulklassen "Alarm im Lager" beginnt spannend: Der Centurio wurde ermordet! War es Eifersucht, Geldgier oder sogar eine kaiserliche Intrige? Der Täter muss gesucht und bestraft werden. In der Zeitmaschine taucht der ermordete Centurio aus der römischen Unterwelt wieder auf. Er ist verzweifet und braucht die Hilfe von findigen Detektiven, die den Mörder aufspüren und verfluchen, damit er endlich seinen Frieden in der Welt der Toten finden kann. Ausgerüstet mit kriminalistischem Gespür und einigen Hilfsmitteln geht es mit dem Audio-Guide auf die Suche nach dem Mörder im Legionslager. Unterwegs gibt es Hinweise bei den ehemaligen Bewohnern Vindonissas und sogar ein Orakel kann befragt werden. Die ersten hundert erfolgreichen Detektiv-Familien nehmen an einer Verlosung teil, bei der eine aussergewöhnliche Nacht mit Spezialprogramm gewonnen werden kann.

Eine medizinhistorische Zeitreise mit dem Medicus Auf der Audio-Tour oder der Gruppenführung "Der Medicus" erfahren Besucher vom Stand und den Heilmethoden bei den Römern. Im Legionslager Vindonissa lebten einst 6000 Soldaten auf engstem Raum zusammen. Dass da Hygiene und Gesundheitsvorsorge neben der Behandlung von Unfällen und Krankheiten grosse Themen waren, erfahren Besucherinnen und Besucher im Lazarett, in der Kloake und im Römerlager Contubernia. Zum Schluss führt die Tour in den mittelalterlichen Klostergarten des gleich nebenan liegenden Klosters Königsfelden, wo frische Kräuter und Heilpflanzen wachsen, die für die Herstellung von Medikamenten verwendet wurden. Viele dieser Pflanzen sind auch heute in der Pflanzenheilkunde bekannt.

Begleitbroschüre "Medizin in römischer Zeit"

Mit der Eröffnung des rekonstruierten Lazaretts ist die Begleitbroschüre "Medizin in römischer Zeit" erschienen. Die inhaltliche und konzeptionelle Vorbereitung und das Abfassen der Texte erfolgten im Rahmen von Lehrveranstaltungen der Vindonissa-Professur am Departement Altertums-wissenschaften der Universität Basel und in enger Zusammenarbeit mit dem Legionärspfad Vindonissa sowie mit Unterstützung der Kantonsarchäologie Aargau und des Vindonssa-Museums Brugg.

Weitere Informationen unter www.legionaerspfad.ch

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Legionärspfad, Museum Aargau

CH-5210 Windisch
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