Arbeitnehmer auf dem Abstellgleis: K.o.-Kriterium Alter?

(lifePR) (Stuttgart, ) Deutschland freut sich über den Aufschwung. Die Wirtschaft beklagt den Fachkräftemangel. Die Politik bejubelt die offenen Stellen. Aber Bewerber mit Berufserfahrung stehen immer noch ohne Job da. Der Grund: Die sogenannten Best Agers wollen im Berufsleben wieder Fuß fassen, die Unternehmen greifen aber nur selten auf sie zurück.

Man könnte meinen, der vielbeklagte Fachkräftemangel birgt für Bewerber mit Berufserfahrung neue Chancen. Die Leute sind gut, die Leute sind da. Auch die aktuelle Diskussion über die immer länger werdende Lebensarbeitszeit müsste eigentlich zu einem Umdenken bei den Unternehmen führen. Doch noch immer stehen zwischen Arbeitgebern und erfahrenen Arbeitnehmern Hinderungsgründe für eine Einstellung.

Vorbehalte der Arbeitgeber gegenüber Best Agers

Heiko Lüdemann, Geschäftsführer der Karriereplattform CoachAcademy, hat gemeinsam mit seinen Kollegen seit März 2008 über 100 berufserfahrene Ingenieure in Workshops, Seminaren und Coachings bei der Jobsuche unterstützt und kennt die Hinderungsgründe für die Festanstellung.

Gleichzeitig ist er mehr denn je von der Kompetenz der Best Agers überzeugt: "Die Liste der Vorbehalte gegenüber erfahrenen Arbeitnehmern ist erschreckend lang: Personaler sorgen sich um das einengende Kündigungsrecht oder befürchten eine fehlende Bereitschaft zur Mobilität. Vergessen wird dabei zu oft, in welcher räumlich und finanziell flexiblen Lebenssituation sich Best Agers dank jahrelanger Berufstätigkeit und erwachsenem Nachwuchs befinden."

Auch die Sorge um mangelnde Lernfähigkeit und eventuelles Unvermögen, sich schnell auf Neues einzustellen, ist unbegründet. Mit dem Alter gehen zwar Fähigkeiten verloren, die mit Schnelligkeit, Kraft oder Beweglichkeit zu tun haben. Doch das Älterwerden ist deshalb keineswegs nur ein Prozess des "Weniger-werdens". "Dank ihrer Lebens- und Arbeitserfahrung sind Best Agers den jüngeren Kollegen in punkto Entscheidungs- und Handlungskompetenz, in kommunikativen Fähigkeiten und bei der Beurteilung von komplexen Sachverhalten weit voraus.", so Lüdemann.

Jedoch hegt so manches Unternehmen weiterhin Vorbehalte gegen ältere Arbeitnehmer: Die Annahme, dass Best Agers häufiger krank sind als die jungen Kollegen, bildet nach wie vor eine Hemmschwelle. Daneben zählen die Bedenken, dass Berufserfahrene ein überzogenes Gehalt fordern könnten sowie die unter Umständen problematische Zusammenarbeit mit jüngeren Vorgesetzten zu den häufigsten Einstellungshindernissen von Best Agers.

Fachkräftemangel zwingt zum Umdenken

Dennoch und zum Glück: Ausnahmen bestätigen die Regel. In immer mehr Unternehmen wird wieder auf das Know-how der Arbeitnehmer mit Berufserfahrung zurückgegriffen. Die Befürchtung, dass deren fachliche Kompetenzen veraltet sein könnten, haben die Best Agers selbst erfolgreich widerlegt. Mit erfreulichen Ergebnissen: Im Bereich der allgemeinen Führungs- und Managementaufgaben sowie in mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bereichen ist das Erfahrungswissen mehr denn je gefragt.

Alternativen zur Festanstellung

In Zukunft wird der Fachkräftemangel den Arbeitgebern keine andere Möglichkeit lassen, als auf berufserfahrene Kräfte zurückzugreifen. Wenn nicht in Form einer Festanstellung, dann im Rahmen von Zeitarbeitsverträgen oder projektbezogener Mitarbeit.

Denn darin liegt nach der Überzeugung von Heiko Lüdemann der Trend der Zukunft: "Immer mehr erfahrene Arbeitnehmer werden zu Freiberuflern. Als solche handeln sie unternehmerisch, flexibel, projektorientiert und bringen fachliche Professionalität, hohe Sozialkompetenz sowie natürliche Autorität in die jeweiligen Projekte ein." Als Alternative zur Selbständigkeit gilt die Zeitarbeit: "Unternehmen und Mitarbeiter haben so die Gelegenheit sich unverbindlich kennen zu lernen. Gelingt es dem Mitarbeiter von seinen Fähigkeiten zu überzeugen und Vorbehalte zu widerlegen, so folgt nicht selten eine Festanstellung - zum Vorteil beider Seiten."
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