TÜV SÜD: Lange Spaß mit der neuen Maschine

Gebrauchtkauf Motorrad
Alles zugelassen? Tuning an Reifen und Rädern stehen bei Bikern ganz oben auf der Wunschliste / Foto: TÜV SÜD AG (lifePR) (München, ) Gesamtzustand, Wartung, Elektronik – beim Kauf eines gebrauchten Motorrades ganz oben auf der Liste: die Sicherheit. Deshalb ist es wichtig, das Bike ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Unerlässlich vor dem Kauf ist die Probefahrt. Wo besondere Gefahren lauern und worauf man beim Kauf eines gebrauchten Motorrades achten sollte, dazu Tipps von TÜV SÜD.

Abgefahrene Reifen, umgebaute Auspuffanlagen, schlecht greifende Bremsen, defekte Elektronik. Wer sich ein gebrauchtes Motorrad zulegt, sollte vor allem eines sein: sicher. Technische Mängel am Bike können für Fahrer und Sozius schnell lebensgefährlich werden. Genauso wie nicht sachgemäße Umbauten. Sich Zeit lassen und eine ausführliche Probefahrt unternehmen ist die Grundvoraussetzung für einen guten Kauf. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, der lässt vorab ein Gebraucht-Gutachten bei den Experten von TÜV SÜD erstellen. „Gerade wenn das Angebot besonders verlockend ist: Ein ausführlicher Mängelcheck ist unerlässlich“, sagt Lars Krause, Motorradexperte bei TÜV SÜD.  

Antrieb: Traummotorrad gefunden. Preis und Ausstattung stimmen? Dann geht es zur obligatorischen Probefahrt. Darauf achten, dass der Motor beim Start kalt ist. Nur dann kann man Geräusche wie mahlende Lager oder eine rasselnde Steuerkette gut hören. Springt die Maschine einwandfrei an? Der Motor sollte auch nach dem Kaltstart rund und ruhig laufen. Zu diesem Zeitpunkt die Beleuchtung prüfen und schauen, ob die Bowdenzüge alle leichtgängig sind. Bei abgeschaltetem Motor: Gang

einlegen, Kupplung ziehen und das Motorrad schieben. So lässt sich überprüfen, ob die Kupplung richtig trennt.

Antrieb II: Ist der Motor warm, unbedingt im Stand schauen, ob er sich ohne Aussetzer hochdrehen lässt. Beim Viertakter auf bläulichen Rauch aus dem Auspuff und auf den Geruch nach verbranntem Öl achten. Das kann auf verschlissene Kolbenringe hinweisen. Zudem auf den Ölstand achten und schauen, dass die gesamte Antriebseinheit trocken ist. Bei Wasserkühlung: Deckel vom Ölnachfüllstutzen kontrollieren. Sind weiße Ablagerungen zu sehen, könnte Kühlwasser durch Haarrisse ins Motoröl gelangt sein. Ebenfalls außen trocken sollte der Tank sein. Weiterer Hinweis von TÜV SÜD-Fachmann Krause: „Besonders Falze und auch den Tank von innen auf Korrosion überprüfen.“

Kette und Kardan: Der Kettensatz birgt mit das größte Verschleißrisiko beim Motorrad. Deswegen unbedingt die Kette und die Ritzel und Räder auf Abnutzung und Beschädigungen kontrollieren. Ist die Kette gut gepflegt? Ist sie verrostet oder schlackert, weist das auf allzu lockeren Umgang des Vorbesitzers mit der Kraftübertragung hin. Besonderheit Kardan: Außen auf Dichtigkeit überprüfen. Während der Probefahrt: Geräusche beim Lastwechsel weisen auf bald nötigen Austausch hin. Das ist sehr kostspielig. Der Antrieb lässt sich aber auch im Stand prüfen. Dazu das Hinterrad mit der Hand drehen. Spürt man dabei ein leichtes Spiel, ist alles in Ordnung, wenn‘s knackt und kracht: Finger weg!

Lenkung und Federbeine: Lenkung und Dämpfung sind sicherheitsrelevant und müssen einwandfrei funktionieren. Bei der Lenkung darauf achten, dass die Anschläge nicht beschädigt sind. Außerdem sollte sie leichtgängig sein, kein Spiel haben und sogar bei starkem Eintauchen nicht knacken – ansonsten ist das Lenkkopflager defekt. Federbeine sollten trocken sein – das gilt insbesondere auch für die Dichtringe der Telegabel. Tipp vom Experten: „Wippt das Heck nach – hapert es eventuell an der Dämpfung.“ Dazu ein Hinweis: Bei modernen Dämpfungen lassen sich Federvorspannung sowie Druck- und Zugstufe auf das Gewicht des Fahrers und die Fahrweise einstellen. Diesen Unterschied bei der Probefahrt berücksichtigen. Und: „Die korrekte Einstellung der Federung auf den Fahrer lässt man am besten vom Fachmann erledigen“, so Krause.

Bremsen und Räder: Haben die Bremsbeläge noch ausreichend Stärke? Zur Orientierung: Ein neuer Bremsbelag ist ca. fünf Millimeter dick. Bei ca. zwei Millimetern oder spätestens wenn die Verschleißgrenze erreicht ist, muss gewechselt werden. Die Bremsscheiben müssen ausreichend stark sein und dürfen keine Riefen oder Risse haben. Bei den Scheiben auch auf Verfärbungen achten. Die entstehen, wenn die Bremsen zu heiß geworden sind. Von der Bremse zu Rad und Reifen: Die Felgen müssen absolut rund laufen. Sind die Felgenhörner verkratzt, verbeult oder gibt es sogar Abplatzungen,

heißt es wieder: Finger weg! Kurze Checkliste für die Reifen: Die Profiltiefe muss noch bei mindestens 1,6 Millimetern (gesetzliche Mindesttiefe) liegen. Profil und Flanken der Reifen dürfen keine Schnitte oder andere Beschädigungen haben. Sind gar ganze Profilstücke ausgebrochen – neue Reifen fordern. Weiter darauf schauen, ob noch alle Ventilkappen vorhanden sind. Und vor der Probefahrt Luftdruck prüfen.

Reifen und Papiere: Auch wenn die Sichtkontrolle positiv verläuft, mehr als sechs Jahre sollten Motorradreifen nicht durch die Lande rollen. Denn Wärme und Sonnenlicht setzen den Pneus zu. Alterungsschutzmittel in der Gummimischung wandern mit der Zeit an die Reifenoberfläche. Die Reifen „gasen“ aus, sie altern. Die Folge: Rutschphasen und längere Bremswege – vor allem bei Nässe. Achtung: Reifen gehören zu den Favoriten im Tuning-Repertoire. Wenn eine Reifen-Markenbindung besteht – Freigabe prüfen. Hinsichtlich Typ und Größe auf den Internetseiten der Reifenhersteller informieren.

Auspuffanlage: In Sachen Tuning steht zusammen mit den Reifen ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Auspuff. Unbedingt überprüfen, ob der Originalauspuff verbaut ist. Ist geschraubt worden, muss die Ersatzanlage eine Betriebserlaubnis für das Motorrad haben (BE). Dazu auf den Internetseiten der Hersteller informieren. Auch schauen, ob sämtliche Verbindungen der Anlage dicht sind. Weiterer Ratschlag vom TÜV SÜD-Motorradexperten: „Ruhig mal mit der Faust gegen die kalte (!) Auspuffanlage schlagen. Wenn‘s rasselt, muss der Schalldämpfer ausgetauscht werden.“

Probefahrt: Sind alle Kriterien überprüft worden, steht einer sicheren Probefahrt nichts mehr im Wege.

Bei 60 bis 80 Stundenkilometern auf gerader Strecke und unbelebter Straße ruhig mal den Lenker etwas lockerer halten – dabei griffbereit bleiben. Die Maschine sollte absolut ruhig laufen und nicht nach einer Seite ziehen – dann könnten Telegabel oder sogar der Rahmen verzogen sein. Bremsen-Check: Mehrmals hintereinander bremsen – der Bremspunkt darf sich nicht verändern. Die Hebel auch einmal leicht anziehen. Pulsieren sie, haben die Scheiben einen Schlag.

Getriebecheck: Geräusche beispielsweise im Getriebe lassen sich gut hören, wenn man untertourig Gas gibt. Mahlt, kracht oder heult es: Finger weg! Selbstverständlich sollten sich alle Gänge leicht schalten lassen. Während der Fahrt unbedingt darauf achten, ob alle Instrumente und elektronischen Helfer einwandfrei funktionieren – ob beispielsweise die ABS-Kontrolllampe ausgeht. Wie reagiert das neue Bike in spe auf Bodenwellen? Schaukelt es nach, ist die Dämpfung falsch eingestellt oder sogar defekt. Nach der Probefahrt erneut prüfen, ob Motor, Getriebe und Dämpfung dicht sind. Wichtig: Funktioniert der Zündunterbrecher am Seitenständer?

Sonderzubehör: Biker basteln gerne. Deswegen ein Auge darauf haben, ob Sonderzubehör wie Lampen, Fußrasten, Lenkerumbauten, Stahlflexleitungen, Sitze und Co. sachgerecht verbaut wurden und zugelassen sind. Zusätzlich auf den Eintrag in die Papiere achten oder die Anbaubescheinigung verlangen

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