Temperamente im Konzert: Philharmonisches Kammerorchester und Anna-Katharina Muck gestalten "Dresdner Abend"

Bereits zum 14. Mal gestaltet das Philharmonische Kammerorchester Dresden unter der Leitung von Wolfgang Hentrich ein ungewöhnliches Konzertprogramm - diesmal u.a. mit einer Uraufführung und einer thematisch zum musikalischen Programm passenden Lesung
(lifePR) (Dresden, ) Mozarts „Kleine Nachtmusik“ gehört zu den populärsten klassischen Kompositionen überhaupt – es lohnt sich deshalb, nach den Gründen für diese Popularität zu fragen. Geschrieben wurde das Werk für einen bestimmten Anlass, der allerdings nicht bekannt ist. Es ist noch nicht einmal sicher, dass das Werk zu Lebzeiten Mozarts überhaupt aufgeführt wurde. Als es 1827 im Druck erschien, war Serenadenmusik längst nicht mehr populär, Mozart war aber bereits legendär. Und so machte die „Kleine Nachtmusik“ Karriere als nostalgisch verklärte Reminiszenz an eine untergegangene Rokokowelt. Diese Verklärung wurde bis in unsere Zeit tradiert, und es ist nun eine reizvolle Aufgabe, die Musik von diesen Bilderschichten zu befreien und als das hörbar zu machen, was sie auch ist: ein Spätwerk (nach dem „Don Giovanni“ entstanden), das mit seiner Transparenz und scheinbaren Leichtigkeit etwas Zeitloses, Überirdisches hat, das vielleicht seine „Unsterblichkeit“ begründet.

Mit einer „Harmonie des Abends“ (Harmonie du soir) von Rainer Promnitz (Cellist der Dresdner Philharmonie) kontrastiert die Uraufführung des Abends das zuvor Gehörte: Die ursprüngliche Komposition, 1985 geschrieben, der das gleichnamige Gedicht von Charles Baudelaire vorangestellt ist, entstand für eine musikalisch-literarische Veranstaltung mit einer Lesung zu Leben und Werk des französischen Schriftstellers für Sopransolo, Kammerchor, Viola, Violoncello, Kontrabass, Orgel und Schlagwerk. Eine Besonderheit des Stückes war das Fehlen des Textes: Solo- und Chorpartie bestand nur aus instrumental angelegten Vocalisen. Die neu instrumentierte, strukturell veränderte und durch Solokadenzen erweiterte Fassung für obligates Violoncello und Streichorchester ist maßgeschneidert für das Philharmonische Kammerorchester mit ihrem Solocellisten Ulf Prelle.

Literarisch im engeren Sinne wird der Abend durch eine Lesung, die das letzte Werk des Programms einleitet. Anna-Katharina Muck, seit vielen Jahren Schauspielerin am Staatsschauspiel Dresden, wird Texte lesen, die sich in verschiedener Weise mit „Temperamenten“ beschäftigen.

Die antike Lehre von den vier Temperamenten hat heute in der Wissenschaft fast keine Bedeutung mehr, umso öfter ist sie noch im 20. Jahrhundert von den Künsten aufgegriffen worden. 1940 entstand Paul Hindemiths gleichnamige Ballettmusik, der er die Form eines Themas mit vier Variationen gab. Alle vier Temperamente, das phlegmatische, das sanguinische, das cholerische und das melancholische klingen im einleitenden Thema an und werden dann einzeln in den Variationen ausgeführt.

Im Anschluss an das Konzert hat das Publikum Gelegenheit, bei Snacks und Getränken mit den Musikern ins Gespräch zu kommen. Und bereits 19.000 Uhr lädt Daniel Finkernagel ein zu „Philharmoniker packen aus“.

Tickets für 28 Euro und 23 Euro (ermäßigt) sind im Besucherservice der Dresdner Philharmonie und an der Abendkasse erhältlich.

Programm:

21. September 2016, Mittwoch, 20.00 Uhr
Großer Saal im DEUTSCHEN HYGIENE-MUSEUM

14. Dresdner Abend

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791): Serenade für Streicher G-Dur „Eine kleine Nachtmusik“ KV 525

Rainer Promnitz (*1958): Canzona für Violoncello und Kammerorchester – Uraufführung

Inspiriert durch Charles Baudelaire

Lesung

Paul Hindemith (1895-1963): „Die vier Temperamente“ – Thema mit vier Variationen für Klavier und Streichorchester

Wolfgang Hentrich, Violine und Leitung
Andreas Boyde, Klavier
Ulf Prelle, Violoncello
Anna-Katharina Muck, Sprecherin
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