Planung für schnelle Züge nach Prag soll endlich Fahrt aufnehmen

Eine obx-Reportage (www.obx-news.de)
(lifePR) (Regensburg - obx, ) Die Bahnverbindung von Bayern und Ostbayern nach Prag befindet sich seit Jahren auf dem Abstellgleis, weil sie lange als unwirtschaftlich galt. Jetzt keimt neue Hoffnung auf. Vor 2025 werden aber keine schnellen Züge rollen.

Wer heute bei der Deutschen Bahn eine Fahrkarte von München oder Nürnberg nach Prag bucht, dem kann es passieren, dass er sich anschließend im Bus wiederfindet. Weil die Fahrzeiten auf der Zugstrecke von Bayern in die tschechische Hauptstadt so unattraktiv sind, setzt selbst die Deutsche Bahn inzwischen auf den Bus. Rund sechs Stunden dauert die Fahrt von München nach Prag mit dem Zug. Mit dem Bus sind es rund fünf Stunden. Zu Kaiser Franz Josefs Zeiten sei die Anbindung besser gewesen, spottete der frühere bayerische Europaabgeordnete, Tschechienfreund und leidenschaftliche Bahnfahrer Bernd Posselt vor zwei Jahren bei einem Besuch in Prag. Seit Jahren fordern Politik und Wirtschaft besonders in Ostbayern vergeblich einen Ausbau der Strecke zu den böhmischen Nachbarn. Jetzt lässt eine neue Untersuchung neue Hoffnung aufkeimen.

Groß waren die Visionen noch vor acht Jahren: Damals ließ die gerade vereidigte neue bayerische Staatsregierung die „Donau-Moldau-Bahn“ als Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen München und Prag über Regensburg in den Koalitionsvertrag schreiben. 200 Stundenkilometer schnell sollten die Züge die beiden Städte in dreieinhalb Stunden miteinander verbinden. Zwei Jahre später folgte die Ernüchterung: Das Kosten-Nutzen-Verhältnis lag auf deutscher Seite mit 0,2 weit jenseits dessen, was einen Bau gerechtfertigt hätte. Dafür hätte diese Relation größer als eins sein müssen.

Danach speckten die Initiatoren das Projekt ab: Statt mit 200 sollen die Schnellzüge jetzt nur noch mit 160 Stundenkilometern durch die Oberpfalz und Westböhmen rollen. Auf den Bau neuer Abschnitte würde fast vollständig verzichtet. Die Reisezeit von München nach Prag würde aber immerhin noch auf rund 4 Stunden und 15 Minuten sinken. Um den Einzugsbereich auf deutscher Seite zu vergrößern und das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu verbessern, bedienten sich die Kämpfer für eine zeitgemäße Bahnanbindung eines Kunstgriffs: Sie machten aus der „Donau-Moldau-Bahn“ von München über Regensburg nach Prag eine „Metropolenbahn“, die neben München als Endpunkt auch Nürnberg als Destination mit einbezieht.

Die optimierte Version erreichte den deutlich besseren Wirtschaftlichkeitsfaktor 0,9. Das war genug, um das rund 400 Millionen Euro teure Projekt für den neuen Bundesverkehrswegeplan anzumelden. Dieser Masterplan, der demnächst vom Bundestag beschlossen wird, enthält alle Großinvestitionen in die deutsche Bahninfrastruktur in den nächsten 15 Jahren. Die neuen Planungen überzeugten die Experten im Bundesverkehrsministerium: „Im von der Bundesregierung beschlossenen Bundesverkehrswegeplan 2030 ist ein Streckenausbau zwischen München und der Bayerischen Grenze nach Tschechien erstmals als Teilprojekt der Metropolenbahn enthalten“, sagt der Bundestagsabgeordnete Karl Holmeier, dessen Wahlkreis Cham direkt an der bayerisch-tschechischen Grenze liegt. Allerdings gibt es einen Wermutstropfen: „Die Strecke ist aufgrund noch nicht fertiggestellter Untersuchungen der Bundesregierung allerdings vorerst in der Kategorie ‚Potenzieller Bedarf‘ eingestuft“, so Holmeier.

Der Freistaat Bayern will nach Worten Holmeiers die Planungen jetzt vorantreiben. Der Bayerische Landtag genehmigte 200.000 Euro für eine Studie, die nun ermitteln soll, „ob und wie eine Fahrzeit zwischen den beiden Metropolen in viereinviertel Stunden möglich ist.“ Zum Einsatz könnten die tschechischen Hochgeschwindigkeitszüge kommen, die so genannten „Pendolinos“ aus italienischer Produktion. Sie verfügen über modernste Neigetechnik, die auch bei kurvenreicheren Strecken schnellere Geschwindigkeiten möglich macht.

Die Ergebnisse der Studie sollen nun Anfang 2017 vorliegen. Ostbayerns Politiker hoffen, dass sich mit den erwarteten positiven Resultaten das Bundesverkehrsministerium überzeugen lässt, den Ausbau in einer höheren Dringlichkeitsstufe einzuordnen. Das ist notwendig, damit überhaupt jemals Geld für den Ausbau fließen kann. Die tschechische Seite ist indes bereits viel weiter: Die Nachbarn wollen den Abschnitt von Pilsen bis zur bayerischen Grenze bei Domazlice bis zum Jahr 2025 ausbauen. Ob dann aber bereits schnelle Züge von München über Regensburg nach Prag rollen, ist alles andere als sicher. Bis dahin wird wohl auch die Bahn weiter auf Busse setzen. Und Reisende, die es eilig haben, fahren ohnehin meist mit dem Auto: Dank der bestens ausgebauten Autobahn A6 Nürnberg-Prag lässt sich die Strecke München-Prag in dreieinhalb Stunden schaffen. Die Fahrt von Regensburg nach Prag dauert sogar nur rund zweieinhalb Stunden.

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