Arbeitswelt Versicherung - Wie arbeiten wir morgen?

Nordbayerischer Versicherungstag in Nürnberg
Pressekonferenz am Versicherungstag (von li: Thomas Silberhorn (Parlamentarischer Staatssekretär), Stefan Taschner (Pressesprecher uniVersa), Prof. Dr. Kathrin M. Möslein (Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Dr. Armin Zitzmann (Vorstandsvorsitzender Nürnberger).Foto: BWV / Forum V (lifePR) (Nürnberg, ) Der 11. Nordbayerische Versicherungstag, der am 6. Oktober in Nürnberg stattfand, beschäftigte sich mit der Frage „Arbeitswelt Versicherung – Wie arbeiten wir morgen?“. Vor rund 400 Teilnehmern wurde das Thema aus verschiedenen Perspektiven von Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft durchleuchtet.

Blick über den Tellerrand wagen

Einen Blick über den Tellerrand wagte Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in seinem Vortrag zu Versicherungslösungen in der Entwicklungszusammenarbeit. „Durch den Klimawandel bedingte Umweltrisiken, wie Dürren oder Überschwemmungen, treffen häufig genau die Länder, die am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen haben", so Silberhorn. Bislang seien in den weltweit hundert ärmsten Ländern lediglich drei Prozent der Bevölkerung mit Versicherungen gegen Risiken wie diese abgesichert. „Wir müssen rechtzeitig Vorsorge treffen, um zu verhindern, dass Menschen im Unglücksfall auf einen Schlag ihre gesamte Existenzgrundlage verlieren. Klimarisikoversicherungen, Agrarversicherungen und Versicherungen zur Existenzsicherung haben hier riesiges Potenzial", erklärte Silberhorn und warb dafür, das Produktportfolio der Versicherer entsprechend auszubauen.

Rasanter Veränderungsprozess in der Arbeitswelt

„Die Arbeitswelt befindet sich in einem rasanten und umfassenden Veränderungsprozess“, sagte Prof. Dr. Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability. Die Digitalisierung und Industrie 4.0, die Umgestaltung von Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodellen, die Globalisierung, der Beschleunigungs- und Komplexitätszuwachs sowie der Innovationsdruck bei gleichzeitigem Kostendruck als Wettbewerbstreiber - alle diese Entwicklungen beeinflussen heute und in Zukunft Arbeitgeber und Arbeitnehmer, erläuterte Rump. Ebenso verändere der gesellschaftliche Wertewandel, die Nachhaltigkeitsbestrebungen, die Individualisierung und Polarisierung der Arbeitsmärkte sowie der Fachkräfteengpass die Arbeitswelt. Besonders ins Gewicht fielen dabei die Knappheit des Nachwuchses, buntere Belegschaften, die Alterung der Gesellschaft und von Belegschaften sowie die Verlängerung von Lebensarbeitszeiten. Technologische und wirtschaftliche Innovationen werden, so Rump, nicht nur durch Prozess- und Strukturinnovationen begleitet. Vielmehr bedarf es auch Innovationen in der Führung und im Umgang mit Mitarbeitern, in der Gestaltung von Kooperation und Kommunikation sowie von Arbeitsplätzen und Arbeitsplatzbedingungen. Diese sozialen Innovationen seien notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsfähigkeit des Unternehmens auf einem hohen Niveau zu halten, resümierte Rump.

Auswirkungen auf Innendienst und Vertrieb

Auch der Versicherungsmarkt hat sich grundlegend verändert. Neben regulatorischen Vorgaben, der demografischen Entwicklung und der Niedrigzinsphase spielt insbesondere die Digitalisierung eine entscheidende Rolle, erklärte Dr. Armin Zitzmann, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Versicherungsgruppe. Die Digitalisierung sei dabei oftmals der Treiber für Innovation, sowohl bei Produkten als auch bei Prozessen. Für die Zukunftsfähigkeit von Versicherungsunternehmen ist ein in die Strategieentwicklung integriertes Innovationsmanagement von zentraler Bedeutung, sagte Zitzmann. „Ein Versicherungsunternehmen ist kein Startup und kann auch nicht so geführt werden. Aber die wertvollen, neuen Ideen und Ansätze der Startup-Unternehmen können uns helfen, schneller und kundenorientierter zu werden“, so der Vorstandsvorsitzende. Im Innendienst werde die Digitalisierung zu einer Standardisierung und Automatisierung von Prozessen führen und flexiblere Arbeitszeiten und -orte fördern. Auch im Vertrieb werde es zu Veränderungen kommen. „Ein zunehmender Teil der Kunden fordere die Möglichkeit, über sämtliche digitale Kanäle mit uns zu kommunizieren“, sagte Zitzmann. Dementsprechend werde die Kommunikation mehr und mehr digital werden. Gleichwohl besteht beim Kunden weiterhin der Wunsch nach persönlicher Beratung, gerade bei komplexeren Produkten. „Erfolgreich wird sein, wer seinen Kunden beides bieten kann“, so Zitzmann.

Plattformen als Innovationstreiber nutzbar

An der Pressekonferenz erläuterte Prof. Dr. Kathrin M. Möslein von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg den Wert von Plattformen. Für die Wirtschaft sind sie Innovationstreiber, Kulturwandler und Talentmagnet. In Nürnberg gibt es bereits seit zwei Jahren das Innovationslabor JOSEPHS, das als Plattform zur gemeinsamen Generierung und Erprobung von neuen Produkten, Prozessen und Dienstleistungen genutzt wird. „Auf einer Fläche von mehr als 400 m² können Produkt- und Serviceneuheiten entdeckt, spielerisch ausprobiert und nach eigenen Ideen bis zur Marktreife gestaltet werden“, erläuterte Möslein. Mit dem ZOLLHOF stellte sie zudem ein neues digitales Gründerzentrum vor, das als Plattform für innovative Unternehmer, insbesondere im Bereich digitaler Start-ups, konzipiert ist. „Beide Plattformen bilden Orte, an denen sich die Zukunft der Arbeitswelt von und für Versicherungen schon heute erproben und erleben lässt“, so Möslein. Im JOSEPHS werden Kunden zu Mitgestaltern und Innendienst sowie Vertrieb zum Innovationspartner des Kunden. Im ZOLLHOF werden Mitarbeiter zu Gestaltern der Digitalisierung und Start-ups zu ihren Verbündeten.

Meinungsaustausch mit Experten

In zwei Foren wurde das Leitthema zudem mit Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik kontrovers diskutiert, beispielsweise technischer Vertrieb oder Vertrieb mit Technik sowie Arbeits(platz)gestaltung im Innendienst. Im Schlussvortrag ging Prof. Dr. Johanna Haberer, Professorin für Christliche Publizistik am Department Theologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen auf die Risiken einer digitalen Gesellschaft ein. Ausgerichtet wurde der Nordbayerische Versicherungstag vom Berufsbildungswerk der Versicherungswirtschaft Nordbayern-Thüringen in Kooperation mit Forum V.

Infos zu den Veranstaltern

Das Berufsbildungswerk der Versicherungswirtschaft (BWV) Nordbayern-Thüringen e. V. ist der Ansprechpartner der Versicherungswirtschaft in Nordbayern-Thüringen für Bildungsfragen vor Ort. Als eines von 33 BWV regional ist das BWV Nordbayern-Thüringen Teil des Bildungsnetzwerks Versicherungswirtschaft – gemeinsam mit dem BWV Bildungsverband (BWV) und der Deutschen Versicherungsakademie (DVA). Das BWV Nordbayern-Thüringen nimmt die Aufgaben des BWV Bildungsverbandes auf regionaler Ebene wahr und agiert somit als bildungspolitischer Interessensvertreter für die Branche vor Ort. Nach dem Motto „Abschlüsse mit Anschlüssen“ bietet das BWV Nordbayern-Thüringen überbetriebliche Bildungsangebote für die Branche und unterstützt die Versicherungsunternehmen und ihre Partner in Nordbayern-Thüringen rund um die Aus- und Weiterbildung. Forum V, das nordbayerische Institut für Versicherungswissenschaft und -wirtschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, ist ein Zusammenschluss von nordbayerischen Hochschulen, Verbänden und den vier ansässigen Versicherungsunternehmen ERGO Direkt Versicherungen, HUK-COBURG Versicherungsgruppe, NÜRNBERGER Versicherungsgruppe und uniVersa Versicherungen. Der Verein unterstützt die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Praxis und Politik auf dem Gebiet des Versicherungswesens.

Kontakt

uniVersa Versicherungen
Sulzbacher Str. 1-7
D-90489 Nürnberg
Stefan Taschner
Presse/Öffentlichkeitsarbeit
Pressesprecher
Katja Hoffmann
BWV Nordbayern-Thüringen

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