QuintilesIMS Kundentagung 2016: Aktuelle Trends und Entwicklungen in der Gesundheitsbranche

(lifePR) (Frankfurt, ) Die diesjährige Kundentagung des unter früherem Namen als IMS Health bekannten Technologie- und Beratungsunternehmens, das nach dem Anfang Oktober 2016 erfolgten Zusammenschluss mit Quintiles nun unter dem neuen Namen QuintilesIMS  firmiert, fand am 06. Oktober 2016 in Offenbach/Main statt. In der vormittäglichen Plenumsveranstaltung bildeten aktuelle Trends und Entwicklungen in der Gesundheitsbranche den thematischen Rahmen. Spezialforen am Nachmittag boten Gelegenheit für Einblicke in ganz unterschiedliche Bereiche, von aktueller Gesundheitspolitik über den OTC-Markt, Zielgruppenkonzepte, Medizinprodukte und Erkenntnisse auf Basis behandlungsorientierter Analysen bis hin zum Thema Launch Excellence.

Märkte und Multichannel-Management, Politik und Prognosen – diese Aspekte bestimmten die Vorträge im Rahmen der Plenumsveranstaltung. Den Auftakt bildete ein Vortrag von Dr. Frank Wartenberg, President Central Europe von QuintilesIMS. Er ging zunächst auf den Zusammenschluss der beiden Unternehmen IMS Health und Quintiles zu einem neuen Anbieter von integrierten informations- und technologiegestützten Services im Gesundheitswesen ein. Vor dem Hintergrund, dass Kosten für die Klinische Forschung gestiegen seien und der Marktzugang für Arzneimittel immer schwieriger werde, seien von der pharmazeutischen Industrie verstärkt Nutzennachweise und Evidenzbelege gefragt. QuintilesIMS könne Kunden von der frühen Phase Klinischer Studien über die Einreichung von Dossiers für den Market Access bis hin zur Markt- und Versorgungsforschung aus einer Hand begleiten. Wartenberg zeigte dazu eine Reihe von Ansatzpunkten auf, wobei moderne technologische Lösungen helfen, die entsprechenden Projekte umzusetzen und dabei Kosten zu senken.

Pharmamarkt: kontinuierliches Wachstum im einstelligen Bereich zu erwarten

Veränderte Rahmenbedingungen wirken sich auf das Wachstum des Pharmamarktes aus wie Wartenberg im weiteren Fortgang seines Vortrages zeigte. Das Wachstum des globalen Marktes schätzt QuintilesIMS bis 2020 auf 4 bis 7 %. Im Unterschied zu früher gleichen sich nach der Prognose die Wachstumsraten der Industrieländer und der sog. „pharmerging“ Länder insgesamt an, im Vergleich einzelner Regionen werden allerdings unterschiedliche Steigerungen prognostiziert.  In Europa sind Spezialtherapeutika die Hauptwachstumstreiber. In Anbetracht der momentan gut gefüllten Forschungspipelines sei in den nächsten fünf Jahren mit Rekordzahlen hinsichtlich Neueinführungen zu rechnen, so dass auch von einem kontinuierlich wachsenden Markt auszugehen sei, so Wartenberg. Für Deutschland wird von 2016 bis 2020 ein Zuwachs von etwa 4 % erwartet, wobei diverse Rabatte und Nachlässe infolge gesundheitspolitischer Vorgaben hier nicht berücksichtigt sind. Das Marktwachstum  einzelner Arzneisegmente falle unterschiedlich aus und resultiere im Wesentlichen aus spezifischen Gebieten wie z.B. der Onkologie oder Multiplen Sklerose-Therapie.

Sieben Trends bis 2020

Zusammenfassend benannte Wartenberg sieben Haupttrends, die bis 2020 die Gesundheitsbranche beeinflussen werden:
  • Innovative Therapien und Patentabläufe als Wachstumstreiber, mit Ausdifferenzierung nach Patientensegmenten.
  • Neue hochpreisige Therapien, die noch stärkere Nutzennachweise erforderten.
  • Preisdifferenzierungen nach Anwendung oder Indikation als nächste Stufe in der Erstattung.
  • Multichannel-Management als neue Währung für den Kommerzialisierungserfolg.
  • Innovative Distributionswege und neue Spieler im Markt, beispielsweise im Kontext des Großhandels, mischten die Karten in der Arzneimitteldistribution neu.
  • Der informierte Patient werde Realität. So seien bspw. Therapie-Guidelines für Patienten als Apps bereits verfügbar.
  • Klinische Studien, ergänzt um Versorgungsforschung. Auch Studiensimulationen oder Nutzung von Versorgungsinformationen zur stärkeren Profilierung von Studien sowie dem Aufsetzen gezielter Studiendesigns seien vorstellbar.
„Orchestrated Customer Engagement“: Kundenzentrierte Ansprache durch orchestrierte Aussteuerung von Kanalaktivitäten

Die Healthcare-Branche befindet sich derzeit aufgrund verschiedener Entwicklungen im Umbruch, wozu u.a. stärkere Kostenrestriktionen und Änderungen der Stakeholder-Landschaft beitragen. Das hat auch Konsequenzen für die Ansprache der Kunden von Unternehmen im Healthcare-Bereich. „Orchestrated Customer Engagement“ (OCE), verstanden als gezielte orchestrierte Aussteuerung verschiedener Kommunikationskanal-Aktivitäten, kann helfen, diesen Umbruch erfolgreich zu bewältigen, indem Kunden bestmöglich erreicht werden. Wie dies geht, zeigte Daniel Franklin Houser, Engagement Manager im Bereich Technology Solutions bei QuintilesIMS, in seiner Präsentation auf. Für OCE stelle eine wichtige Voraussetzung dar, sich vom traditionellen Silo-Denken zu verabschieden und stattdessen crossfunktional, also abteilungs- und funktionsübergreifend, wie auch crossmedial im Sinne der Nutzung verschiedener Kommunikationskanäle zusammenzuarbeiten. Houser benannte mehrere Stellhebel, die für eine gelungene „Customer Journey“ relevant seien und betonte, dass eine solche „Kundenreise“ stets individuell gestaltet sein müsse. Jedoch seien die kritischen Erfolgsfaktoren bekannt und entsprechend dem Erfahrungsstatus mit OCE ließen sich Unternehmen in Anfänger, Fortgeschrittene und Experten unterteilen und entsprechend unterstützen. Der Referent zeigte an einem Praxisbeispiel auf, wie eine Verzahnung verschiedener Bereiche und Aktivitäten aussehen kann und welche Aufgaben dabei notwendig zu berücksichtigen seien, z.B. hinsichtlich der Festlegung auf Zielgruppen, Kanalpriorisierung oder Zustimmung von Kunden zur Art der Kanalnutzung.

Schrittweises Vorgehen zu empfehlen

Manche Unternehmen, so Houser, seien noch unsicher, ob  OCE für sie in Frage komme, sowohl aus konzeptuellen Gründen wie auch im Blick auf die Erfolgsmessung der Aktivitäten. Für die Reduktion solcher Befürchtungen und die adäquate Umsetzung von OCE steht ein von QuintilesIMS entwickelter sog. „OCE Health Check“ zur Verfügung. Dahinter verbirgt sich ein komplettes Instrumentarium, das angefangen von der Situationsanalyse über die Bewertung der Stellhebel bis hin zu deren Priorisierung reicht, an die sich eine Empfehlung für das passende weitere Vorgehen anschließt. Zusammengefasst benannte der Referent mehrere Schritte, um ein erfolgreiches OCE aufzusetzen: Einer strukturierten Situationsanalyse und Festlegung von Zielen folgt der „OCE Health Check“ zur Ermittlung von Stärken und Ansatzpunkten, um danach das Zielgruppen- und Kommunikationskonzept auszuarbeiten.

Politik und Positionen: Pharma-Dialog und Gesetzentwurf aus Sicht des BPI

Dr. Martin Zentgraf, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der pharmazeutischen Industrie (BPI), vertrat mit Rückblick auf den stattgefundenen Pharma-Dialog die Position seines Verbandes zum Referentenentwurf für das im nächsten Jahr kommende GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (VSG). Er leitete seinen Vortrag mit einigen Zahlen zur gesundheitswirtschaftlichen Situation Deutschlands ein, wobei er die Exportbedeutung der Pharmabranche hervorhob. Sie bilde einen wichtigen Industriezweig und sei ein Wachstumsmotor, werde aber oftmals auf Kosten reduziert. Dabei sei die Finanzlage der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgrund einer positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt sowie Einnahmen aus Zusatzbeiträgen derzeit als gut zu bewerten. Die Kassen verfügten über Rücklagen in Höhe von 15 Mrd. Euro und die Liquiditätsreserve im Gesundheitsfonds belaufe sich auf 10 Mrd. Euro. Vor diesem Hintergrund sei mit Blick auf den anstehenden Gesetzentwurf die schwerpunktmäßige Orientierung am Thema „Kosten vor Wirtschaftskraft“, wie sie aus dem Referentenentwurf ablesbar sei, bedauerlich. Wesentliche Elemente des Entwurfs seien im Dialog, dessen Einrichtung grundsätzlich begrüßt werde, so nicht diskutiert worden. Ein wichtiges Resultat der Gesprächszusammenkünfte sei nämlich gewesen, Deutschland als leistungsstarken Produktionsstandort zu stärken und eine exzellente Forschung und bestmögliche Arzneimittelversorgung zu gewährleisten. Der Referentenentwurf verfehle diese Zielstellung.

Zentgraf nahm zu vielen Punkten des Entwurfs Stellung, insbesondere kritisierte er gerade in Anbetracht der guten Wirtschaftslage die beabsichtigte Verlängerung des Preismoratoriums. Der ab 2018 vorgesehene Inflationsausgleich sei unzureichend. Zu einigen weiteren Punkten: Sehr kritisch bewertete der Verbandsvorsitzende auch die Einräumung weitreichender Befugnisse und großer Handlungsspielräume für den GKV-Spitzenverband und den Gemeinsamen Bundesausschuss. Zu kurz komme bislang im Kontext von Nutzenbewertungen die Berücksichtigung von Informationen der Fachgesellschaften als ausgewiesenen Experten auf Indikationsgebieten. Dass Erstattungsbeträge nicht mehr öffentlich gemacht werden sollen, begrüße der BPI, jedoch sei zu bemängeln, dass keine Lösung zur Handhabung der Vertraulichkeit der Erstattungspreise in Sicht sei. Die Einführung einer Umsatzschwelle, um bereits im ersten Jahr nach Markteinführung eine rückwirkende Geltung des Erstattungsbetrags zu ermöglichen, lehne der Verband ab. Trotz vorgesehener Änderungen im Referentenentwurf hinsichtlich der Vergabe von Rabattverträgen sei im generischen Marktsegment für die Unternehmen zu wenig Planungssicherheit gegeben. Die Ausgestaltung des intendierten Arzneimittelinformationssystems bleibe vage. Der Vertragsarzt müsse im Ergebnis der Verhandlungen von einer Wirtschaftlichkeit der Verordnungen ausgehen können. Zusammenfassend erwarte der BPI vom Gesetzgeber Nachbesserungen und die Formulierung konkreter Vorgaben.

Szenario: Bedeutung des Brexit für die Gesundheitsbranche in Europa

Welche Folgen der Brexit für die Gesundheitsbranche nach sich ziehen könnte, war Thema des Vortrages von Sarah Rickwood, Vice President Thought Leadership bei QuintilesIMS. Wann der Brexit in Kraft trete, sei derzeit unsicher, frühestens jedoch 2019. Wie er sich zum einen auf den globalen und europäischen und zum anderen auf den britischen Pharmamarkt auswirke, sei aufgrund bestimmter Unwägbarkeiten derzeit nur szenarisch zu durchdenken. Aufgrund eines vergleichsweise hohen Innovationsniveaus in Großbritannien, belegt durch die Anzahl eingeführter neuer Wirkstoffe, Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und eine führende Position bei Health Technology Assessments und Versorgungsforschung, sei eine größere Bedeutung von UK für den globalen Pharmamarkt anzunehmen als allein der Marktanteil vermuten lasse. Für die britische Pharmaindustrie gebe es allerdings vier Unsicherheitsmomente für die Zukunft, und zwar hinsichtlich der zukünftigen Rolle von Zulassungs- und Regulierungsbehörden, der Währungsentwicklung, den Umfeldbedingungen für Unternehmen wie auch für die Wissenschaft. 

Implikationen des Brexit für die EU könnten eine mögliche Umsiedlung der EMA (European Medicines Agency) sein, ein Umsatzverlust im europäischen Markt, der Gewinn zusätzlicher Fördermittel, aber auch der Verlust eines wesentlichen Beitrags zur globalen Forschung und Entwicklung. Viele Pharmabelange hingen ferner von Handelsabkommen ab wie Rickwood an Länderbeispielen zeigte. Auch die Lieferkette werde vom Brexit in verschiedener Hinsicht tangiert, bspw. könne eine Abwertung des britischen Pfund gegenüber dem Euro zu einer Steigerung von Exporten führen. Wie verschiedene Einflüsse sich letztlich insgesamt auswirkten, bleibe abzuwarten. Denn der britische Pharmasektor habe sich in der Vergangenheit als resilient gegenüber Rezessionen erwiesen, was u.a. damit zusammenhänge, dass Arzneimittel vom National Health Service (NHS) ohne oder mit nur geringer Eigenbeteiligung bezahlt würden und NHS-Mittel seit jeher geschützt werden. Zudem bestünden 5-Jahres-Verträge zwischen Regierung und Industrie, die noch bis 2019 liefen. Als Fazit ergibt sich für Rickwood beim derzeitigen Stand, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU der europäischen und globalen Pharmaindustrie letztlich nicht nützen wird und im günstigsten Fall der Status quo erhalten bleibt. Änderungen im etablierten regulatorischen Zulassungsverfahren der EMA könnten zu Verzögerungen in der Zulassung führen, was letztlich die Bedeutung der EU im Kontext des globalen Pharmamarktes mindern könne. Hürden in der Liberalisierung, Finanzierung und Zusammenarbeit würden die britische Wissenschafts- und Forschungsbasis ebenso beschädigen wie die Healthcare-Industrie insgesamt. 

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