Altersarmut ist zunehmendes gesellschaftliches Risiko

Diakonie zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober
(lifePR) (Stuttgart, ) Die Diakonie in Württemberg warnt anlässlich des Internationalen Tags für die Beseitigung der Armut (Montag) vor wachsender Altersarmut. Die Stärkung von gesetzlicher Altersversorgung, Pflege- und Sozialversicherung minimiere Armutsrisiken wie eine niedrige Rente, Pflegebedürftigkeit oder Langzeitarbeitslosigkeit. „Unsere Gesellschaft hat der älteren Generation viel zu verdanken und darf sie am Lebensende nicht im Regen stehen lassen“, sagt Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg.

Die Generation der über 65-Jährigen ist nach aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamts zunehmend von Armut bedroht. Für Oberkirchenrat Dieter Kaufmann war „lange absehbar, dass die wachsende Altersarmut sich zu einem der zentralen sozialpolitischen Themen entwickeln würde“. Nach über 30 Jahre währender Massenarbeitslosigkeit gingen immer mehr Menschen mit unstetigen Berufsbiografien in Rente. Hinzu komme, dass die arbeitsrechtlichen Regelungen für Minijobs, Leiharbeit und Werkverträge den Trend zu prekären Beschäftigungen verstärkt haben. Die Teilprivatisierung der Altersvorsorge ermögliche es  insbesondere Geringverdienern kaum, über die gesetzliche Rentenversicherung hinaus fürs Alter vorzusorgen. „Düstere Wolken am Himmel einer zunehmend alternden Gesellschaft“, resümiert Kaufmann. Er versteht das ermutigende Wort des Propheten Jesaja als Auftrag an die Jüngeren: „Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet.“

Das Armutsrisiko für ältere Mitbürger steigt weitaus schneller als für die meisten anderen Bevölkerungsgruppen: Die durchschnittliche Armutsrisikoquote für Baden-Württemberg liegt bei 15,3 Prozent, die der über 65-Jährigen bei 17,5 Prozent. Eine Unterscheidung nach Rentnern und Pensionären würde die Armutsrisikoquote für die Empfänger gesetzlicher Renten um weitere 2 Prozent erhöhen. Weiter sind vor allem Frauen (19,1 Prozent) und Menschen mit Migrationshintergrund (30,9 Prozent) betroffen. Wenn Pflegebedarf hinzukommt, ist der Schritt in die Altersarmut oft nicht mehr zu verhindern. Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung gibt an, dass bundesweit 41 Prozent der über 80 Jahre alten Pflegebedürftigen ihre Heimkosten nicht aus eigener Kraft aufbringen können und zusätzlich Sozialhilfe beantragen müssen. Eva-Maria Armbruster, Stellvertreterin des Vorstandsvorsitzenden des Diakonischen Werks Württemberg, fordert: „Die Pflegeversicherung ist so weiterzuentwickeln, dass Pflegebedürftigkeit kein Armutsrisiko ist.“

„Gegenmaßnahmen sind umso dringender, da sie sich nur langfristig auswirken können“, sagt Kaufmann. Er nennt eine umfassende Sozialversicherungspflicht auch für Mini- und Midi-Jobs „und auch für Langzeitarbeitslose müssen wieder Rentenbeiträge gezahlt werden, denn gerade diese Menschen werden ansonsten für ihre Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit doppelt bestraft“. Die Politik müssen die gesetzliche Rente stärken und auf Selbständige wie Beamte ausdehnen. „Die Einführung einer Mindestrente kann Menschen im Alter den Gang zum Sozialamt ersparen und lässt sich über Bundesmittel finanzieren, die ansonsten für die Grundsicherung im Alter fließen.“

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Andrea Schlepper
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