Pflanzenschutz im Wandel - Zwischen Europäischer Gesetzgebung und innovativer Forschung

Fachrichtung Gartenbau setzt Schwerpunkte bei den 40. Kontaktstudientagen an der Hochschule Osnabrück
(lifePR) (Osnabrück, ) Die 40. Kontaktstudientage der Hochschule Osnabrück 2011 standen ganz im Zeichen des Pflanzenschutzes. Hintergrund ist die Harmonisierung der Pflanzenschutzgesetzgebung auf europäischer Ebene, die in diesem Jahr einen großen Schritt vorankommt. In Deutschland sind deshalb mehrere EU-Richtlinien und -Verordnungen in nationales Recht umzusetzen, was eine tief greifende Änderung unseres bestehenden Pflanzenschutzgesetzes zu Folge haben wird. Auf den Kontaktstudientagen wurde zunächst über die neuen pflanzenschutzrechtlichen Regelungen und ihre Folgen für die gärtnerische Praxis informiert.

Dr. Wolfgang Zornbach vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Bonn erläuterte in dem Zusammenhang den Hintergrund der EU-Pflanzenschutz-Rahmenrichtlinie, die ab 2014 den Integrierten Pflanzenschutz in allen Mitgliedstaaten verbindlich als Standard einführt. Für Deutschland sind viele Elemente der Rahmenrichtlinie nicht neu, ganz im Gegensatz zu vielen anderen EU-Ländern. Dennoch werden sich einzelne Änderungen ergeben, die eine große Chance darstellen, den Pflanzenschutz in Deutschland weiterzuentwickeln und die Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu erhöhen.

Die konkreten Auswirkungen der neuen Gesetzgebung auf die gärtnerische Praxis stellte Dr. Thomas Brand vom Pflanzenschutzdienst Niedersachsen vor. Er ging vor allem auf die neue, verpflichtende gegenseitige Anerkennung von Pflanzenschutzmittel-Zulassungen innerhalb festgelegter Zonen in der EU ein. Dies dürfte zu einer stärkeren Harmonisierung der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in Europa beitragen, welche seit Jahren von der Praxis gefordert wird. Neu sind auch strengere Regelungen hinsichtlich der Pflanzenschutz-Sachkunde, die u.a. die Pflicht zur Teilnahme an Fortbildungen vorsehen.

In den Vorträgen und Diskussionen wurde deutlich, dass sich in Zusammenhang mit den neuen pflanzenschutzrechtlichen Regelungen klare Verbesserungen für Verbraucher, Gärtner und auch Hersteller von Pflanzenschutzmitteln ergeben. Nicht immer werden die Vorteile von EU-Bestimmungen, die mittlerweile einen Großteil unseres Lebens beeinflussen, richtig wahrgenommen. Der Europaabgeordnete und ehemalige Präsident des Europäischen Parlamentes, Dr. Hans-Gert Pöttering, nahm dies zum Anlass, im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung die Perspektiven Europas für unsere Gesellschaft zu erörtern. Pöttering stellte die europäische Idee in den Mittelpunkt und verwies auf die Werte, für die Europa stehe. Gleichzeitig machte er deutlich, warum für unsere Gesellschaft der europäische Einigungsprozess so unverzichtbar ist und wie den zukünftigen Herausforderungen einer globalisierten Welt begegnet werden sollte.

Die EU verfolgt das ehrgeizige Ziel, den chemischen Pflanzenschutz in den Mitgliedsstaaten in den nächsten Jahren um 25 % zu reduzieren. Dies macht die Entwicklung alternativer Pflanzenschutzstrategien erforderlich, wobei die großen Fortschritte in der Biotechnologie hierfür die Grundlagen liefern können. Einige in diesem Zusammenhang wichtige Forschungsfelder des Pflanzenschutzes wurden am Nachmittag in verschiedenen Beträgen vorgestellt. Den Anfang machte Dr. Sabine Werres vom Julius-Kühn-Institut in ihrem Vortrag. Sie stellte molekularbiologische Nachweisverfahren vor, welche durch Nutzung der Nanobiotechnologie auf der Basis von DNA-Chips stark miniaturisiert werden können und sich so als interessante neue Anwendungsmöglichkeiten im Pflanzenschutz positionieren.

Moderne biotechnologische Verfahren haben die Obstzüchtung revolutioniert. Darauf machte Prof. Magda-Viola Hanke vom JKI-Institut für "Züchtungsforschung an gartenbaulichen Kulturen und Obst" in Dresden-Pillnitz aufmerksam. Sie stellte die Perspektiven gentechnischer Verfahren in der Resistenzzüchtung beim Apfel dar. In ihrem Vortrag verwies sie darauf, dass es sich hierbei nicht zwangsläufig um die Herstellung transgener Pflanzen handelt, die in der Öffentlichkeit so stark kritisiert werden. Vielmehr beschäftigt sich die Forscherin mit der Cisgen-Technologie, bei der ausschließlich Resistenzgene der Gattung Malus Verwendung finden. Mittels dieser Technik und weiterer gentechnischer Methoden konnte der Züchtungsprozess erheblich beschleunigt werden.

Die erfolgreiche Entwicklung und Anwendung biologischer Präparate wird in der Zukunft nur durch Fortschritte in der Formulierung der Mittel möglich sein. Prof. Anant Patel von der Fachhochschule Bielefeld hat in diesem Bereich seinen Forschungsschwerpunkt. Er stellte in seinem Beitrag dar, wie eine geeignete Formulierung die Eigenschaften des Endproduktes wesentlich beeinflussen und z.B. die Handhabbarkeit, die Lagerfähigkeit oder die Wirksamkeit entscheidend verbessern sowie eine kontrollierte Freisetzung in Abhängigkeit von den Materialeigenschaften und Umwelteinflüssen ermöglichen kann. Deshalb haben Formulierungsverfahren von der Öffentlichkeit unbeobachtet eine ähnliche Revolution in der Industrie ausgelöst wie die Gentechnik. So werden auf dem Gebiet der Verkapselung jährlich 2000 Patente angemeldet.

Auch in der Schnecken-Bekämpfung geht es um die richtige Formulierung der Präparate. Zwar stehen wirksame Wirkstoffe zur Verfügung, jedoch müssen sie von den Schädlingen in ausreichender Menge durch Fraß aufgenommen werden. Dies führte Reinhard Arndt von der Firma Neudorff aus, die bei Molluskiziden zu den Marktführern gehört. Er informierte über Forschungsarbeiten, die das Ziel haben, sowohl die Lockwirkung als auch Fraßaufnahme der Köder zu verbessern.

Parallel zu den Kontaktstudientagen fand bereits zum zweiten Mal die Unternehmensmesse Gartenbau am Standort Haste der Hochschule Osnabrück statt. 19 renommierte Firmen aus der Gartenbaubranche, davon 9 Firmen aus dem Bereich Pflanzenschutz, stellten sich und ihre Tätigkeitsschwerpunkte auf der Messe vor. Die zahlreichen Besucher nutzten ausgiebig die Möglichkeit, sich über Unternehmen und ihre Produkte im Gartenbau zu informieren.

Kontakt

Hochschule Osnabrück
Albrechtstraße. 30
D-49076 Osnabrück
Dr. Viola Düwert
Hochschule Osnabrück
Leitung GB Kommunikation
Social Media