Winn sieht Medi-Vertrag in Baden-Württemberg entzaubert

Therapiefreiheit, Datenschutz, Bürokratie und Kosten
(lifePR) (Berlin, ) Als "im Wesentlichen entzaubert" sieht der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Kuno Winn, den im Mai präsentierten Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung zwischen Medi-Verbund, dem Hausärzteverband Baden-Württemberg und der AOK. "Nun hat der Rauch sich verzogen", sagte Winn. Jetzt sehe man klarer und längst nicht alles, was man da zu Gesicht bekomme, könne einem aus Sicht ärztlicher Interessenvertretung gefallen. Ganz offensichtlich sei es kein Zufall gewesen, dass die Vertragspartner so lange mit der Veröffentlichung der entscheidenden Detailregelungen gewartet hätten, so Winn nach einer ersten Analyse der erst seit wenigen Tagen vorliegenden Anlagen.

"Sonst hätte sich schon eher die Befürchtung bestätigt, dass die AOK - aus ihrer Interessenlage nachvollziehbar- massive Einsparungen im Bereich der Medikation umzusetzen gedenkt", kritisierte Winn. Und dies ausgerechnet mit Hilfe eines von der Ärzteschaft in der Vergangenheit gemeinsam erbittert bekämpften Bonus-Systems für AOK-gelenktes Verordnungsverhalten. "Gegen Bonus-Malus-Regelungen sind wir noch vor Kurzem zu Tausenden auf die Straße gegangen, haben unsere Therapiefreiheit verteidigt", erinnerte sich Winn. Für alarmierend hält Winn auch die der AOK offensichtlich vertraglich eingeräumten "Freiheiten" im Umgang mit Patientendaten. "Nicht nur, dass sich die ersten Patienten jetzt bereits im dritten Quartal einschreiben, ihre Daten aber erst im vierten Quartal verschlüsselt werden", sagte Winn. Noch gravierender sei es, dass die dann pseudonymisierten Daten unter unterschiedlichsten Umständen wieder personifiziert werden könnten. Hier müsse dringend geprüft werden, ob dieses Verfahren überhaupt datenschutzrechtlichen Bedingungen standhalte.

Auch der bürokratische Aufwand, für den das KV-System oft zu Recht kritisiert werde, erweise sich plötzlich im Lichte "außerhalb des Systems" geschlossener Verträge offenbar als erstaunlich erträglich. Obwohl der Vertrag zwecks "Bierdeckel-Tauglichkeit" fast ausschließlich auf die sonst als leistungsfeindlich geltenden Pauschalen setze, müsse der Hausarzt bei jedem Arzt-Patientenkontakt alle Diagnosen vollständig und unter Auswahl des spezifischen ICD-10-Codes über die Vertragssoftware mit der entsprechenden Diagnoseziffer übermitteln.

Seite für Seite offenbarten die Vertragsanlagen den beträchtlichen Preis für die am Ende nur scheinbar höheren Fallwerte pro behandelten Patienten. Denn denen stehen deutliche - bisher in ihrer Höhe noch nicht absehbare - Kosten gegenüber. Winn: "Noch immer ist völlig unklar, zu welchen Preisen die verpflichtenden regelmäßigen Fortbildungen angeboten werden". Offensichtlich sei nur, dass der Vertrag "Medi" und Hausärzteverband gewissermaßen ein Monopol auf Organisation und Durchführung der Veranstaltungen einräume. "Letztendlich liegt auch die Verwaltungskostenpauschale deutlich über der vergleichbaren Pauschale der Kassenärztlichen Vereinigung", sagte Winn. Da solle sich jeder Arzt genau ausrechnen, was da am Ende von der gelobten Pauschale bleibe.

Am Ende geht es nicht um Glaubensfragen oder darum, ob Verträge im System oder außerhalb die besseren sind! Es gehe allein um die Frage, ob dieser Vertrag das halte, was er versprochen habe. Und danach sehe es momentan nicht aus. Winn: "Beileibe nicht alles, was sich innerhalb des KV-Systems abspielt, ist gut. Deshalb ist aber eben noch lange nicht alles besser, nur weil es außerhalb stattfindet."

PS: Der Hartmannbund wird seinen Mitgliedern in der kommenden Woche eine detaillierte Analyse des Vertrages und seiner Anlagen zur Verfügung stellen.

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