Mehr als 7,5 Millionen Euro für Forschung im Bereich Gesundheit und Pflege

Hochschule Osnabrück freut sich über sechs erfolgreiche Anträge und will ihre Kompetenzen in diesem Bereich weiter bündeln
Sie freuten sich über ihre erfolgreichen Forschungsanträge: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule Osnabrück kamen in der Caprivi-Lounge zusammen (lifePR) (Osnabrück, ) In Summe mehr als 7,5 Millionen Euro für sechs Forschungsprojekte und -verbünde im Bereich Gesundheit und Pflege: Die Hochschule Osnabrück freut sich über die breite Förderung durch verschiedene Mittelgeber aus Landes- und Bundespolitik sowie durch Unternehmen und Institutionen. „Im Mai haben Hochschule und Universität mit regionalen Partnern die Grundsatzvereinbarung unterzeichnet, in Osnabrück einen Gesundheitscampus zu etablieren. Die bemerkenswerte Vielzahl an erfolgreichen Anträgen der vergangenen Monate aus unterschiedlichen Fachbereichen verdeutlicht noch einmal, wie groß die Expertise an unserer Hochschule ist“, hob Prof. Dr. Bernd Lehmann, Vizepräsident für Forschung, Transfer und Nachwuchsförderung, hervor. Während einer kleinen Feierstunde mit den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern betonte Hochschulpräsident Prof. Dr. Andreas Bertram, dass es nun gelte, die vielen Facetten des Forschungsfeldes inhaltlich und strukturell weiter zu bündeln.

Genau hier knüpft das Projekt „Das Lernende Gesundheitssystem in der Region Osnabrück-Emsland“ (ROSE) an. Dem Projekt liegt der Gedanke zugrunde, die Gesundheitsversorgung vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in ländlichen Gebieten, dem Anstieg von Pflegebedürftigkeit und der immer noch schwachen Vernetzung über Institutionen und Berufsgruppen hinweg sicherzustellen. „Das Lernende Gesundheitssystem ist ein hochinnovatives Prinzip“, erläuterte Prof. Dr. Ursula Hübner, die Projektsprecherin. „Es unterscheidet sich deutlich von der herkömmlichen Forschungspraxis, weil es ein praxis‐ und datengetriebener Ansatz ist.“ Kernelement ist eine Austauschplattform, die Daten von – zum Beispiel – Kliniken, Gesundheitsnetzen, Kommunen und den Hochschulen bündelt. Weitere Ziele von ROSE sind unter anderem der Aufbau und Betrieb eines Graduiertenkollegs von Hochschule und Universität Osnabrück zum Thema „Patientenzentrierte Versorgungsgestaltung durch Forschung“ sowie eine institutionalisierte Zusammenarbeit mit den Gesundheitsdienstleistern in der Region. ROSE wird mit 2,5 Millionen Euro aus Landesmitteln durch das „Niedersächsische Vorab“ gefördert. 

Bereits im Juni gab es eine Feierstunde im Forschungskolleg „FamiLe - Familiengesundheit im Lebensverlauf“ an der Hochschule Osnabrück. Das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungskolleg der Universität Witten/Herdecke und der Hochschule Osnabrück startete mit zwölf neuen Kollegiatinnen und Kollegiaten sowie zwei Postdoktorandinnen in eine zweite Förderphase. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden in ihren Promotionsvorhaben Fragen der Familiengesundheit – von der Schwangerschaft bis zum Ende des Lebens – erforschen und somit die Wissenschaftsentwicklung in der Pflege- und Hebammenwissenschaft gezielt fördern. Die Fortsetzung des kooperativen Forschungskollegs umfasst eine neue Laufzeit von weiteren drei Jahren (Juni 2015 bis Mai 2018).

Ebenfalls vom BMBF wird das Projekt „Dorfgemeinschaft 2.0“ gefördert. Hier hat sich der Verein „Gesundheitsregion EUREGIO“ mit mehr als 120 Mitgliedern das Ziel gesetzt, die Grafschaft Bentheim und das südliche Emsland mit konkreten Schritten auf den demografischen Wandel vorzubereiten. Wissenschaftlich begleitet wird der Verein von der Hochschule und Universität Osnabrück. Die Förderung durch das BMBF liegt voraussichtlich  bei insgesamt 5 Millionen Euro, wobei 1,6 Millionen Euro an die Hochschule Osnabrück fließen. Im Projekt wird es unter anderem um rollende Praxen, e-Mobilität, die Erprobung von Geschäftsmodellen der akademisierten Pflegefachkraft im Kontext der Vernetzung von Gesundheitsdaten, Smart Home-Technologien und altersgerechte Mensch-Technik-Interaktion gehen. Aber auch „Satellitenstützpunkte“ im ländlichen Raum sind Gegenstand der Forschung. Sie sollen den älteren Bürgerinnen und Bürgern in wichtigen Fragen des Alltags und Lebens weiterhelfen und dazu beitragen, dass sie möglichst lange unabhängig in ihrem gewohnten Umfeld leben können.

Rund eine Millionen Euro erhält die Hochschule aus Landesmitteln des „Niedersächsischen Vorab“ für die „Initiative eHealth – Innovationen identifizieren, adoptieren, verankern, evaluieren“. Grundsätzlich ist eHealth die IT-gestützte interne und externe Vernetzung aller Akteure im Gesundheitswesen, einschließlich der Patientinnen und Patienten. Im jetzt bewilligten Projekt geht es zum einen darum, die Messung des Innovationspotenzials von eHealth-Entwicklungen und von Gesundheitseinrichtungen und Gesundheitsnetzen über ein zu erarbeitendes Innovations-Kennzahlensystem zu ermöglichen. Zum anderen soll ein Management-Verfahren zur erhöhten Adoption, Akzeptanz und Verankerung von Innovationen in der Gesundheitswirtschaft entwickelt werden.

„Verbraucher einbeziehen! Partizipative Qualitätsentwicklung in der Pflegeberatung“ (PartiziQ) lautet der Titel eines weiteren Projektes, das jüngst eine Förderzusage erhalten hat. Ziel ist es, einen Qualitätsstandard für Beratungsstellen in der Pflege zu entwickeln. Dabei sollen professionelle Akteure, Verbraucher- und Selbsthilfeorganisationen einbezogen werden. Aufgrund der Vielfalt der Beratungsangebote und der Wichtigkeit, lokale Beteiligte einzubinden, liegt der Fokus auf konkreten Beratungsstellen. In den Blick genommen werden der Pflegestützpunkt Osnabrück-Land, eine Beratungsstelle des Diakonischen Werks Berlin Stadtmitte und ein Pflegestützpunkt in Rheinland-Pfalz. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz fördert das Projekt mit knapp 300.000 Euro.

Im Projekt „Variability of optimal cutpoints – Development of an R-Package” schließlich stehen sogenannte Patient Reported Outcomes (PRO) im Mittelpunkt. PRO ist ein Sammelbegriff für Maße, die auf Patienteneinschätzungen basieren, etwa zur Schmerzintensität oder Depressivität. Ein Beispiel: Mithilfe eines psychologischen Testverfahrens wird die Schwere depressiver Symptome eines Patienten eingeschätzt. Der Patient erhält einen Punktwert von 30 auf der Skala von 0-64. Sollte er behandelt werden, oder nicht? In der klinischen Praxis ist häufig unklar, wie man Ergebnisse der PRO-Maße in klinische Entscheidungen übersetzt, da es widersprüchliche Befunde zu den Trennwerten gibt. Manche Studien legen nahe, dass schon ab einem Wert von 25 behandelt werden sollte, andere, dass dies erst ab einem Wert von 30 der Fall sein sollte. Im Forschungsvorhaben soll es vor allem darum gehen, auf Basis von „R“, einer freien Programmiersprache für statistisches Rechnen, ein Werkzeug zu entwickeln, um die Variabilität der Trennwerte zu bestimmen. So sollen in der Folge trennschärfere Werte ermittelt werden. Das Projekt wird mit mehr als 200.000 Euro vom  BMBF gefördert.

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Holger Schleper
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