Wer profitiert von Barrierefreiheit? - Tourismus für alle

Touristiker der Region Vogelsberg im Rollstuhl
Wer profitiert von Barrierefreiheit? - Tourismus für alle / © Ruth Stoffel (lifePR) (Schotten, ) Viele Menschen fragen sich – bin ich gesund? In einem Seminar, organisiert von der Region Vogelsberg Touristik GmbH, Geschäftsführer Herr Roger Merk, über „Barrierefreies Reisen“ fand eine Sensibilisierungsschulung statt. Neben Theorie bestand sie aus praxisnahen Anwendungsübungen. Es ist wichtig, die Unentbehrlichkeiten der Zielgruppe mit Handicaps zu identifizieren und den Blickwinkel für sie zu öffnen.

Das eintägige Seminar richtete sich an die Tourist Informationen und Gastronomen. Aus diesem Grund fand die Veranstaltung in Schotten/Burkhards im Landgasthof Zur Birke statt, Gastronom Axel Winter nahm selbst teil.

Referentin Frau Gisela Moser der Firma MosGiTo zeigte, dass das Thema im Tourismus längst angekommen ist. Es betrifft viele Menschen unter uns. Hierzu zählen Personen mit Behinderungen im engeren Sinne, die körperliche, geistige oder seelische Handicaps durchleben. Sie sitzen im Rollstuhl, sehen sehr schlecht bzw. nicht mehr oder leiden an Schwerhörigkeit.

Dazu gehören ebenso chronische Erkrankungen, wie Zuckerkrankheit und Multiple Sklerose. Auch die Zielgruppe der Altersbehinderungen ist wichtig. Durch den demographischen Wandel, der Tatsache, dass es immer mehr ältere Menschen gibt, steigt auch die Zahl der Touristen mit Altersbehinderungen beispielsweise sind  es Mobilitätseinschränkungen und Altersdiabetes. Eines wird deutlich: das, was für Menschen mit Handicap lebenswichtig ist, ist ein besonderes Angebot für alle, für alle Personen bietet sich ein Vorteil. Analphabeten, sprachbehinderte Menschen, Personen mit vorübergehenden Unfallfolgen, Übergewichtige, Personen mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck, auch Schwangere profitieren von barrierefreien Elementen. Es könnte eines der Ziele unserer Gesellschaft sein, dass jeder Mensch das touristische Angebot nutzen kann – unabhängig von seiner körperlichen oder geistigen Beschaffenheit. Hieraus ergeben sich viele Herausforderungen für den Tourismus in der Region. Es gibt bereits viele Hilfsmittel, die Braille-Schrift, taktile Leitsysteme und den Langstock für blinde Personen. Die Gebärdensprache oder die „Leichte Sprache“, für Menschen mit einer Lernbehinderung. Im Bereich der Altersbehinderung sind die Immobilität, der intellektuelle Abbau aber auch die Inkontinenz Auswirkungen.

Der Umgang mit Menschen und deren Handicap war Bestandteil der Sensibilisierung. „Allein durch meine Anwesenheit werden Barrieren überwunden, ich handele intuitiv und biete meine Hilfe an“, sagte eine Teilnehmerin. Wir müssen Verständnis für einander haben, die Grenzen erkennen und die Barrieren überbrücken. Mitleid möchte keiner der wachsenden Zielgruppe.

Frau Moser zeigte „Best-Practice“-Beispiele der Region. Am Standort des Seminars sind bereits viele barrierefreie Elemente vorhanden. Das Carehotel Niddasee plant einen barrierefreien Auftritt, Eröffnung im Sommer 2016. In 2011 erhielt die „Stadtführung im Sitzen“ in Herbstein die Auszeichnung des Hessischen Tourismuspreises.

Seit einer Situationsanalyse in Frankfurt werden kontinuierlich Angebote seit 2011 geschaffen. Dazu gehören Projekte, bei denen die Zielgruppe selbst mitwirkt. Ergebnisse daraus sind ein Stadtführer nach allen Regeln der „Leichten Sprache“. Eine Teilnehmerin stellte fest, „es ist schwierig, nur eine Aussage pro Satz zu formulieren. Weiterhin braucht es noch viele Schritte, bis unsere Region eine barrierefreie Destination ist. Es gibt viel zu tun.“

Neben dem Fachwissen erfuhren die Teilnehmer den faszinierendsten Effekt des Tages durch das Nachempfinden verschiedener Handicaps. Das Herbeiführen einer starken Schwerhörigkeit, die Simulation mit einer Simulationsbrille und Langstock, sowie das Sitzen im Rollstuhl gehören zu den ganz neuen Erfahrungen. Die Umsetzung fand im Landgasthof sowie auf der Straße in Schotten/Burkhards statt.

Abschließend sagten die Teilnehmer, „Wir werden das in unserem Team vortragen. Vielleicht können wir einiges davon umsetzen.“

Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung hat der Hessen Agentur GmbH nahegelegt, das bundesweit einheitliche Kennzeichnungssystem für barrierefreie Angebote umzusetzen. Es wurde kooperativ von Behindertenverbänden, Tourismusverbänden, Landesmarketingorganisationen und der AG barrierefreie Reiseziele in Deutschland e.V. entwickelt. Die Kennzeichnungsstufen reichen von der „Information zur Barrierefreiheit“ bis „Barrierefreiheit geprüft.

In der Region Vogelsberg hat Frau Corinna Schmidt an einer mehrtägigen Ausbildung zum zertifizierten Erheber für das Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ des DSFT, Deutsches Seminar für Tourismus (DSFT) Berlin e.V. - die Tourismusakademie, erfolgreich teilgenommen. Sie kann touristische Institutionen sowie Angebote zum Thema Barrierefreiheit zertifizieren.

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Region Vogelsberg Touristik GmbH
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