Brasilianer lernen deutsches Gesundheitswesen kennen

Pflegestudierende aus Santa Maria besuchten im Rahmen eines UAS7- Austausches die Hochschule Osnabrück
Wie funktioniert das deutsche Gesundheitssystem und welche Ausbildungs-und Studienmöglichkeiten gibt es? Diese und viele andere Fragen erörterten die Gäste aus Brasilien während ihres UAS7-Austausches auch mit Studierenden und Lehrenden der Hochschule Osnabrück (lifePR) (Osnabrück, ) Die Zusammenarbeit deutscher und brasilianischer Pflege- und Hebammenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ermöglichte es jetzt erstmals 13 Studierenden der Osnabrücker Partneruniversität Centro Universitário Franciscano (UNIFRA) in Santa Maria, für eine achttägige Reise nach Deutschland zu kommen, um das hiesige Gesundheitssystem sowie wie den akademischen und kulturellen Kontext der Gesundheitswissenschaften kennenlernen.

Die Idee für das Projekt entstand im vergangenen Jahr auf dem ersten deutsch-brasilianischen Pflegesymposium. Forscherinnen und Forscher der Hochschulen Osnabrück, Münster, Hamburg und Bremen, welche dem Verbund der German Universities of Applied Sciences 7 (UAS 7) angehören, gründeten 2015 neue Kooperationen zur Förderung von Lehre und Forschung im Bereich der Gesundheitswissenschaften.

Gemeinsam mit ihrer Professorin für Pflegewissenschaft, Dirce Stein-Backes, besuchten die Studierenden aus dem Süden Brasiliens die Hochschule Osnabrück. „Diese Reise ist schon jetzt eine großer Erfolg für die deutsch-brasilianische Zusammenarbeit“, betonte Initiator Prof. Dr. Andreas Büscher, der bereits seit vielen Jahren eine Kooperationsbeziehung mit Stein-Backes pflegt, zur Begrüßung.

Die brasilianischen Studierenden zeigten großes Interesse am deutschen Ausbildungssystem, wenngleich es aufgrund seiner Vielfalt nicht ganz einfach zu verstehen war. Wie stark sich die Studienmöglichkeiten und der Aufbau der Studiengänge in Brasilien und Deutschland unterscheiden, wurde im Gespräch deutlich. Während in Osnabrück zum Beispiel der Studiengang Midwifery (Hebammenwissenschaft) ausbildungsergänzend angeboten wird und die Studierenden die Hochschule nach sechs Semestern mit einem Bachelor verlassen, müssen in Brasilien zunächst zehn Semester Pflege studiert werden. Erst danach besteht die Möglichkeit, sich in vier weiteren Semestern auf das Hebammenwesen zu spezialisieren.

Für Prof. Dr. Friederike zu Sayn-Wittgenstein von der Hochschule Osnabrück, ist die deutsch-brasilianische Begegnung gerade deshalb so interessant, weil es viele Gegensätze gibt, die zugleich Anknüpfungspunkte sind. „In Brasilien besteht ein starkes politisches Interesse an den Gesundheitswissenschaften, doch die Ausbildung ist dort noch nicht so weit fortgeschritten. In Deutschland hingegen haben wir mittlerweile eine etablierte und wissenschaftlich sehr fundierte Profession, aber das politische Interesse für unseren Beruf fehlt.“ Beide Seiten könnten noch einiges voneinander lernen.

Die Midwifery-Absolventinnen Bettina Eckert und Laura Trenkamp waren als Studentinnen selbst nach Brasilien gereist. Ein ganz anderes Gesundheitssystem kennenzulernen, bewerteten beide als sehr wertvolle Erfahrung. „Das Wichtigste ist für mich der Blick über den Tellerrand, ich wollte wissen, wie funktionieren Hebammenwesen und Hebammenforschung anderswo?“, resümierte Trenkamp. „Im Gespräch mit brasilianischen Kommilitonen habe ich so oft gedacht‚ ihr müsstet einfach mal kommen und das selbst erleben“, erzählte Eckert, „toll, dass es jetzt geklappt hat und sie jetzt einen Kreissaal von innen sehen konnten.“

Ihre Freude zeigten auch die brasilianischen Studierenden. Neben der modernen Technik in Universitäten und Krankenhäusern, wie dem Franziskus-Hospital in Münster, die sie gesehen hatten, beeindruckte sie die Vielfalt kultureller Eindrücke und die vielen Fahrradfahrer. „Das ist so schön, das hätte ich auch gerne in Brasilien. Alles ist so ruhig und sicher“, meinte Amanda Schneider Weissheimer aus Santa Maria. Gemeinsam waren alle während einer Nachtwächtertour auf den Turm der Marienkirche gestiegen und hatten auf im Abendlicht auf die Stadt geblickt.

Stein-Backes war bereits mehrfach in Deutschland und freute sich sehr, ihre Erfahrungen und Eindrücke, von denen sie in den Vorlesungen oft berichtete, von nun an mit ihren Studierenden teilen zu können. „Mir war es wichtig, dass meine Studierenden Deutschland kennenlernen. Zum einen ist es die deutsche Kultur, die uns beeindruckt. Zum anderen sehe ich das deutsche Gesundheitssystem als großes Vorbild“, so die Professorin.

Dr. Stephanie Stelzig, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule Osnabrück und maßgeblich an der Organisation beteiligt, resümierte abschließend, „das Zusammenkommen war lehrreich und wahnsinnig interessant. Und, als eine der brasilianischen Studentinnen sagte, dass sie das erste Geburtshaus in Santa Maria aufmachen wolle, wusste ich, dass wir diesen Austausch auf jeden Fall aufrecht erhalten und weiterausbauen werden“.

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Hochschule Osnabrück Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) Geschäftsstelle
Postfach 1040
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Sina Albrecht
GB Kommunikation

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