Stellungnahme der Initiative Chronische Wunden e. V. zu Ausschreibungen von Rahmenverträgen zur Verbandmittelversorgung durch AOK Rheinland/Hamburg

(lifePR) (Quedlinburg, ) Anlässlich einer kürzlich erfolgten Ausschreibung der AOK Rheinland/Hamburg, über die Versorgung der Versicherten mit Verbandmitteln, stellt die Initiative Chronische Wunden e. V. Folgendes fest:

  1. 1. Das Bestreben von Krankenkassen mehr Wirtschaftlichkeit und Transparenz in der Wundversorgung zu erreichen, ist grundsätzlich zu begrüßen und deckt sich mit unseren Zielen.

  2. 2. Wir geben allerdings zu bedenken, dass die kurzfristig betrachtet preiswerteste Lösung nicht immer die sinnvollste und wirtschaftlich beste Lösung ist und somit der Preis nicht das alleinige Auswahlkriterium sein kann. Dies wird bereits im HHVG gefordert.

  3. 3. Oberstes Ziel aus unserer Sicht bleibt eine fachlich begründete, zeitgemäße und individuell angepasste Therapie und Versorgung der Patienten mit chronischen Wunden.
    Es muss zudem sichergestellt werden, dass eine Ausschreibung nicht dazu führt, dass die zurzeit durch Versorger erbrachten Steuerungs- und Beratungsleistungen, insbesondere Patienten- und Angehörigenedukation, in Zukunft ersatzlos entfallen.

  4. 4. Um Verbandmittel sachgerecht zu beurteilen, bedarf es zunächst der Einteilung dieser Mittel in nachvollziehbar definierte Gruppen, beispielsweise feinporige Polyurethanschaumverbände, Alginate, etc.
    Gleichzeitig sollte eine Vergleichbarkeit der Produkte anhand vorgegebener Kriterien, wie Absorption, Standzeit oder Retention erzielt werden. Erst danach lassen sich Angebote verschiedener Hersteller vergleichen und bewerten.

  5. 5. Bei der Auswahl der Wundauflagen sollte nicht nur nach Wirtschaftlichkeitsaspekten entschieden werden. Die individuelle Patientensituation und deren Anforderungen sind ebenfalls zu berücksichtigen. Der Aspekt der Lebensqualität der Patienten darf nicht in den Hintergrund rücken.

Abschließend betonen wir unseren Grundsatz:
Diagnostik vor Therapie.
In der Behandlung chronischer Wunden müssen Wundursachen basis- und begleittherapeutisch behandelt werden. Hierzu gehören beispielsweise die Druckentlastung bei Menschen mit diabetischen Fußulzera oder Dekubitus sowie die sach- und fachgerechte Kompressionstherapie bei Menschen mit Ulcus cruris venosum. Im Anschluss an eine Abheilung der Wunde ist eine adäquate Rezidivprophylaxe sicher zu stellen. Die Versorgung mit individuell angepassten Wundauflagen kann die Wundheilung unterstützen, die Lebensqualität fördern und/oder palliative Ziele verfolgen.

Vorstand und Beirat Initiative Chronische Wunden ( ICW e. V.) August 2017

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